Andachten im April 2021

 

Nun ist Christus aber vom Tod auferweckt worden,

und zwar als Erster der Verstorbenen.

 

                                                              1. Korinther 15,20

 

Vor etlichen Jahren haben wir mit der Jungenschaft in der Osterzeit einen Abend  auf der Rothenbachhütte verbracht. Ich habe damals eine Andacht gemacht, die eine kleine Gemeinheit enthielt. Ich habe angefangen, den Bibeltext der Osterereignisse vorzulesen. Als es dann aber zum leeren Grab kam, habe ich den Text der Bibel verlassen und frei erfunden, was dann geschah. Das Grab war in meiner Geschichte nämlich nicht leer. Die Frauen haben tief betrübt Jesus die letzte Ehre erwiesen und sind dann traurig nach Hause gegangen. Anschließend haben sie sich mit den Jüngern getroffen und ihren toten Meister gemeinsam betrauert.

 

Fertig. Ende der Geschichte.

 

 Total verrückter Gedanke, meint ihr?

 

Da habt ihr Recht, aber es lohnt sich, den Gedanken mal weiterzuspinnen. Was passiert denn, wenn Jesus nicht auferstanden wäre?

 

 Zunächst wären dann alle Pastoren, Prediger und Verkündiger große Lügner. Die ganze Gemeinde baute auf einer Lüge auf. Und alle, die sich Christen nennen und zur Gemeinde gehören, wären leichtgläubige Dummköpfe.

 

Genauso werden Christen von vielen Kritikern, die Jesus ablehnen, gesehen. Das wäre eine Folge einer „Nicht-Auferstehung“. Wirklich schlimm ist, daß damit die ganze Bibel zum Märchenbuch wird, Gott selbst wird zum Lügner gemacht.

 

Denn wieviel Wahrheit bleibt dann in solchen Versen:

 

Du gibst mich nicht dem Totenreich preis. Du lässt mich das Grab nicht sehen. Ich gehöre doch zu denen, die dir dienen. (Ps. 16,10)

 

 Doch mein Leben wird Gott vom Tod freikaufen. Er wird mich aus dem Totenreich herausholen. (Ps. 49,16)

 

 Herr, aus dem Totenreich hast du mich geholt und mir ein neues Leben geschenkt. Dabei zählte ich schon zu den Menschen, die hinabmußten ins Grab. (Ps. 30,4)

 Ich lebe, und ihr sollt auch leben. (sagt Jesus in Johannes 14,19)

 

In 1.Korinther 15 beschäftigt sich Paulus mit der Ansicht einiger aus der Gemeinde, es gäbe keine Auferstehung der Toten. Diese Überlegungen sind also nicht neu und modern, sondern bereits seit Anfang der Gemeinde ein Thema.

 

 Wenn dies alles so sein sollte, dann bleibt die Geschichte Gottes mit den Menschen am Karfreitag stehen: Trost-los und Hoffnungs-los.

 

Es gibt keinen Trost in der Traurigkeit, keine Hoffnung im Erschrecken über die eigene Gottlosigkeit.

 

Dem hält Paulus sein großes ABER entgegen:

 

Nun ist Christus aber vom Tod auferweckt worden, und zwar als Erster der Verstorbenen.

 

Ein „aber“ verkehrt das vorher gesagte ins Gegenteil, sagen die Sprachkundler. Und genau das passiert hier. Wo ohne die Auferstehung die Trost-Losigkeit und die Hoffnungs-Losigkeit herrschen, gibt es nun Trost und Hoffnung.

 

Jesus ist  auferstanden, und zwar als Erster der Verstorbenen, das heißt, es folgen noch viele nach. Das ist die frohe Botschaft, das Evangelium. Der Tod hat nicht das letzte Wort, und Jesus ist der Beweis dafür.

 

Der wunderbare und unbegreifliche Heilsplan Gottes gilt, und er gilt auch mir.

 mit diesem Gedanken im Herzen kann ich fröhlich weitergehen.

 

 Die Freude über Ostern soll meinen Alltag bestimmen, das wünsche ich mir und das wünsche ich Euch!

 

 Ich wünsche Euch frohe und gesegnete Ostern,

 

 Stephan

 

 

Was euch auch niederwirft, Schuld, Krankheit, Flut und Beben -

 er, den ihr lieben dürft, trug euer Kreuz ins Leben.

 Läg er noch immer, wo die Frauen ihn nicht fanden, so kämpften wir umsonst.

Doch nun ist er erstanden.

 Muß ich von hier nach dort – er hat den Weg erlitten.

Der Fluß reißt mich nicht fort, seit Jesus ihn durchschritten.

 Wär er geblieben, wo des Todes Wellen branden, so hofften wir umsonst.

 Doch nun ist er erstanden.

 (Aus dem Lied „Der schöne Ostertag“ von Jürgen Henkys)

 

 

 

Denn das Wort vom Kreuz

ist eine Torheit denen,

die verloren werden;

uns aber, die wir selig werden,

ist es Gottes Kraft. 1. Korinther 1, 18

 

Viele Kritiker innerhalb und außerhalb der Kirche haben Probleme mit der Kreuzesbotschaft. Dass Gott seinen Sohn sterben ließ, um unsere Sünden zu vergeben, passt nicht zu ihrer Vorstellung von einem friedfertigen und liebenden Gott.

 

Und für notwendig halten viele Menschen ein solches Opfer auch nicht. Habe ich Versöhnung mit Gott nötig? So schlimm verhalte ich mich ja nun nicht, dass dafür jemand sterben müsste. Was für ein absurder Gedanke! Was für eine skandalöse Botschaft!

 

Andere sagen: Hätte Gott nicht vergeben können ohne dieses grausame Todesopfer -  einfach deshalb, weil er barmherzig ist und uns unendlich liebt?

 

Wer so redet, hat noch nicht verstanden, was Sünde ist. Das Wort Sünde bezeichnet nicht irgendwelche Verstöße. Sünde ist kein moralisches Fehlverhalten. Sünde ist im biblischen Sprachgebrauch das Wort, das die Beziehungsstörung zwischen Gott und Mensch beschreibt.

 

Der Mensch ist geschaffen, um in Gemeinschaft mit seinem Schöpfer zu leben. Indem er sich von Gott lossagt und seine eigenen Wege geht, verfehlt er den Sinn und die Bestimmung seines Lebens. Und diese Zielverfehlung nennt die Bibel Sünde.

 

Die Folgen dieser Zielverfehlung sind dann Verhaltensweisen, die Gott und den Mitmenschen verachten. Die Handlungen, die daraus erwachsen, nennt die Bibel Sünden. Sie reichen von Habgier, Neid und Missgunst über Lügen und Betrügen bis hin zu Vergewaltigung, Unterdrückung, Mord und Totschlag.

 

Wenn Gott mit einem großen Schwamm der Gnade und Barmherzigkeit alle Schuld der Menschen wegwischen würde, wäre das in Wahrheit ein Schlag ins Gesicht der Gerechtigkeit und eine Verachtung aller Opfer von schrecklichen Gewalttaten.

 

Was würden wir wohl sagen, wenn unser Staat in der Rechtsprechung mit einem solchen „Schwamm drüber“ agieren würde gegenüber denen, die Kinder missbrauchen, Menschen unterdrücken, foltern und umbringen? Ich formuliere dies so drastisch, damit klar wird, was ich meine. Schuld einfach wegwischen, so als sei nichts geschehen, ist für mich ein völlig absurder Gedanke.

 

Genährt wird dieser Gedanke durch die weit verbreitete Verkündigung eines „lieben“ Gottes, der nichts verlangt und fordert und großzügig allen Menschen vergibt, was sie anrichten. Aber so ist Gott nicht. Die Bibel beschreibt ihn ganz anders. Er ist heilig und gerecht. Und er toleriert es nicht, dass der Mensch sich gegen ihn auflehnt. In seinen Augen sind auch nicht nur die schlimmen Gewaltverbrecher schuldig, sondern alle Menschen.

 

Wir Menschen stehen allesamt unter dem Urteilsspruch Gottes, den Paulus in Römer 3 so formuliert: „Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. Alle sind abgewichen und allesamt verdorben.
(Römer 3, 10-12) Denn es ist hier kein Unterschied: Sie sind allesamt Sünder. (V22)

 

Die Sünde ist nicht nur ein bisschen Schmutz auf meiner sonst weißen Weste, sondern eine Macht, die mich in meinem Innersten ergreift und beherrscht und mich von Gott trennt. Ich bin ein Sünder! Ich bin nicht gerecht. Ich bin Gott so nicht recht. Aus dieser Situation komme ich selbst nicht heraus. Ich bin erlösungsbedürftig.  Damit Gott mich annehmen kann, nahm Jesus die Strafe für meine Gottlosigkeit auf sich.

 

Am Kreuz von Golgatha wird die Größe meiner Schuld sichtbar: Jesus musste dafür sterben. Am Kreuz von Golgatha wird Gottes Gerechtigkeit sichtbar: Er kann nicht einfach wegwischen, was die Sünde angerichtet hat. Und am Kreuz von Golgatha wird Gottes große Liebe sichtbar: Er nimmt die Strafe für meine Gottlosigkeit und meine Schuld auf sich.

 

Paulus schreibt in 2. Korinther 5, 19+21: „Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. Er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir IN IHM die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

 

Im 3. Kapitel des Römerbriefes formuliert er: „Wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist. Den hat Gott für den Glauben  hingestellt zur Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit….auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist aus dem Glauben.“ (Römer 3, 24-26)

 

Die Bibel sagt sehr deutlich, dass niemand wegen seiner Sünde und Schuld verloren gehen muss. Dafür ist Jesus am Kreuz gestorben. Aber die Versöhnung mit Gott wird nicht einfach allen Menschen ungefragt übergestülpt. Es gibt keine universelle Gnade für alle wie heute vielfach behauptet wird. Gott hat das Äußerste getan, um uns Menschen mit sich zu versöhnen. Sein Angebot gilt allen Menschen. Versöhnung geschieht aber nur da, wo wir Menschen Gott Recht geben in seinem Urteil über uns, ihn um Vergebung bitten und sein Versöhnungsangebot für uns persönlich im Glauben annehmen. (Lasst euch versöhnen mit Gott!  2. Kor. 5, 20)

 

Nicht die Leistung zählt, nicht der Intellekt entscheidet darüber, ob wir von Gott angenommen werden. Es ist auch nicht entscheidend, ob wir alles verstanden und begriffen haben, was Gott am Kreuz getan hat. Auch die Größe unseres Glaubens ist nicht entscheidend. Mein Glaube ist oft klein und schwach. Entscheidend ist allein und ausschließlich, dass ich das, was  Jesus Christus für mich am Kreuz erworben hat, dankbar im Glauben annehme. Das rettet mich und macht mich frei.

 

Ich freue mich über das Wort vom Kreuz, weil es frei macht. Es befreit mich aus der Sklaverei der Sünde. Es befreit mich von dem Druck, mir durch eigene Leistungen Gottes Anerkennung verdienen zu müssen. Es macht mich frei  von der Angst, nicht genug getan zu haben. Ich habe keine Angst vor Gott, weil er sich in seinem Sohn Jesus Christus an meine Seite stellt.

 

Und so kann ich ohne Druck und ohne Angst leben. Das möchte ich tun. Und weil ich dankbar dafür bin, dass Jesus Christus sein Leben für mich hingegeben hat, will ich mein Leben hingeben an ihn und ihm nachfolgen. Das führt mich direkt hinein in eine Lebensgemeinschaft mit meinem Schöpfer, den ich um Jesu willen Vater nennen darf. Der Schöpfer des Universums sorgt für mich wie ein guter Vater für sein Kind sorgt.

 

Deshalb ist das Wort vom Kreuz eine Kraftquelle, die von Gott ausgeht, mich mit ihm verbindet und mein Leben unglaublich reich macht. Das Kreuz von Golgatha schenkt mir Befreiung und Zukunft. Und deshalb ist der Karfreitag der wahre Friday for Future. Der Tag, an dem Gott mich gerettet und meinem Leben Zukunft gegeben hat für das Leben auf dieser Erde und darüber hinaus für ein Leben bei meinem Schöpfer in Ewigkeit.

 

Meine Zukunft liegt in Gottes Hand. Das gibt mir eine hoffnungsvolle Perspektive und befähigt mich zu verantwortlichem Handeln. Und es macht mich zu einem Botschafter an Christi statt und so bitte ich nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

 

Ich wünsche euch allen einen gesegneten Karfreitag.

 

Bernd Edelmann

 

Andachten März 2021

 

Andacht zum Palmsonntag ,  28.03.21

 

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

 

heute ist Palmsonntag, es ist gleichzeitig auch der letzte Sonntag vor Ostern und Beginn der Karwoche. An diesem Sonntag wird dem Einzug Jesu in Jerusalem gedacht.

 

Wie die Evangelisten Matthäus, Lukas und Johannes berichten, ging Jesus mit seinen Jüngern zum jüdischen Paschafest nach Jerusalem. Als sie zum Ölberg kamen, bat Jesus zwei der Jünger, vorauszugehen und nach einer Eselin und ihrem Fohlen zu suchen und diese zu ihm zu bringen. Die Jünger erfüllten diesen Auftrag und breiteten ihre Kleider auf dem Rücken des Fohlens aus. Jesus nahm Platz und ritt nach Jerusalem. Auf dem Weg dorthin versammelte sich eine immer größer werdende Menschenmenge, um Jesus zum empfangen. Einige Menschen breiteten ihre Kleider vor ihm aus, andere schnitten Zweige von den Palmen ab und streuten sie auf den Weg. Sie jubelten ihm zu:

 

„Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! (Mt 21,9 )

 

Der Esel und die Palmen haben in der Bibel eine besondere Bedeutung, die den Einzug Jesu zu einem symbolträchtigen Ereignis machen. Mit dem Ritt auf einem Esel erfüllte sich die Voraussage des Propheten Sacharja aus dem Alten Testament:

 

„Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil, demütig ist er und reitet auf einem Esel, ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin. (Sach 9,9)“

 

Was sind das für bildhafte Zeichen , der Esel und die Palmenzweige? Was können wir daraus ableiten? Welche Botschaften dürfen wir hier erkennen?

 

1.   Jesus kommt nicht als stolzer Reiter auf einem Pferd daher, nein auf einem Esel. Während das Pferd Luxus und Hochmut symbolisiert, ist der Esel das Sinnbild für die Bescheidenheit und Gewaltlosigkeit -  also ein Zeichen und eine Botschaft des Messias, des Friedensfürsten

 

2.   Ein weiteres Zeichen kommt von der Menschenmenge selbst, die Jesus empfangen. Es ist ein Zeichen der Verehrung gegenüber Jesus. Sie breiteten  ihre Kleider und Palmzweige vor ihm aus. Die Palme ist bereits in der Antike ein Symbol der Huldigung und des Sieges.

 

Den Berichten der Evangelien zufolge wurde Jesus von vielen Menschen  jubelnd empfangen. Mehr noch, er wird als König, als der erwartete Messias gefeiert.
Sie begrüßen ihn mit Worten aus dem 118. Psalm: „Hosianna dem
Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“   in der Hauptstadt seines Landes.

 

Alle vier Evangelien beschreiben den Einzug Jesu in Jerusalem. Alle vier Evangelien haben eines gemeinsam: Das, was an diesem Tag geschah, verstehen sie als Erfüllung der Verheißungen aus dem Alten Testament.  

 

Ich weiß nicht wie ihr es empfindet , aber ist da nicht eine Begeisterung und Freude aus dieser Geschichte spürbar - etwa wie aus der Weihnachtsgeschichte? Da gibt es durchaus parallelen.  In der Adventszeit singen wir ja: “Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit” und “Tochter Zion”. Beide Lieder zitieren Texte des Alten Testaments: Psalm 24 und Zacharia 9, auf die die Geschichte vom Einzug in Jerusalem anspielt. Aber die Parallelen hören da nicht auf. Denn der Hintergrund der Geburt Jesu und der Hintergrund seines Einzugs in Jerusalem als König und Herr ist dieselbe bittere Realität: Denn es gibt ja schon einen König, einen Herrn über dieses Land und es gibt die vielen kleinen „Könige“, die    Beamte des Kaisers, die in seinem Dienste stehen. Denen stößt der König Jesus der in Jerusalem einzieht bitter auf. Für die römischen Besatzer dürfte der Empfang Jesu mit Palmzweigen einer Provokation gleichgekommen sein. Dazu geschieht das Ganze nicht irgendwo im Niemandsland, sondern in der Hauptstadt des Landes in Jerusalem. Und das zu einer Jahreszeit, wo die Stadt wegen des bevorstehenden Passafestes voller Besucher war.

 

Dazu gibt es auch noch die  religiöse Elite, die ihre Machtposition in Jerusalem gerne bewahren will. So gesehen Stand der Einzug Jesu in Jerusalem unter kritischer Beobachtung.

 

Aber was waren das für Menschen die Jesus diesen triumphalen Empfang bereiten? Wer war alles dabei?

 

Da sind zunächst seiner Jünger zu nennen. Johannes erwähnt auch noch Leute, die gehört haben, dass Jesus kommt und solche, die die Auferstehung des Lazarus mitgekriegt haben. Also Menschen die ihn kennengelernt haben überall dort wo er durchs Land gezogen war und gewirkt hatte. Menschen die schon mit Jesus etwas erlebt haben. Menschen die selbst gesehen und erlebt haben wie er sich um Bedürftige gekümmert hat und vom kommenden Reich Gottes gepredigt hat. Menschen bei denen Jesus neue Hoffnung geweckt hat. Neugierige Zuschauer gab es sicher auch, darunter ganz sicher auch Kritiker.

 

Es stellt sich mir noch die Frage: wie fühlt Jesus beim triumphalen Einzug in Jerusalem ? Ich denke er lässt sich von dem Empfang nicht täuschen. Bald wird er von einem seiner eigenen Leute verraten, er wird verhaftet und verhört. Petrus leugnet, sein Jünger zu sein. Die religiöse Elite sieht ihn als eine Gefahr für ihre Machtposition über das Volk, die politisch Verantwortlichen lassen ihn im Stich, die Oppositionellen haben sich für die Gewalt und somit gegen ihn entschieden. Das ahnt Jesus voraus, als er auf dem Fohlen sitzt und in Jerusalem einzieht, als der gerechte König.

 

Nach dem Palmsonntag beginnt nun die Karwoche, auch Stille Woche genannt, in der wir Christen an das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz denken und uns auf Ostern vorbereiten. Darüber dürfen wir in der Karwoche weiter nachdenken mit Blick auf das Fest der Auferstehung.

 

Dazu wünsche ich euch Gottes Segen!

 

 

Alfred Metz

 

,,Und wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir folgt,

 ist es nicht wert, mein Jünger zu sein.

Wer sein Leben festhalten will, wird es verlieren.

Wer sein Leben aber meinetwegen verliert,

der wird es finden.“                (Matthäus 10, 38-40)

 

 

Liebe Freunde und Freundinnen, Brüder und Schwestern,

 

mit diesem Satz aus dem Matthäus-Evangelium, der mich über meine bisherige Missionszeit begleitet hat, möchte ich euch ganz herzlich grüßen!

 

Ich lade euch ein, von meinen Erfahrungen zu lesen, die ich machen durfte und jeden Tag aufs Neue machen darf. Natürlich wäre ich gerne persönlich mit euch in der Gemeinschaftsstunde, um davon zu erzählen, aber dies ist ja leider derzeit nicht möglich.

Nun ist mein erstes Jahr in der Mission in Brasilien vorbei. Ein Jahr voller neuer Eindrücke, spannender Erfahrungen und Erlebnisse, die ich wohl nie wieder vergessen werde.

Zu allererst danke ich Gott für diese Erfahrungen, in denen ich immer wieder seine führende Hand spüren darf. Das gibt mir sehr viel Kraft und Klarheit für meine Berufung und seinen Weg mit mir.

 

Die meisten von euch kennen mich: Raphael Heinrich, 21 Jahre alt und ursprünglich aus der Nähe von Siegen. Ich habe 5 Jahre lang Drogen konsumiert. 2018 bat ich meine Eltern um Hilfe, um von der Droge wegzukommen. Meine Eltern erzählten mir damals von der „Fazenda da Esperanca“ in Boppard. Dort habe ich dann ein Jahr gelebt und eine grundlegende Erneuerung meiner Persönlichkeit durch Jesus erlebt. Hilfesuchende werden dort „Rekuperanten“ genannt.   

Ein Begriff aus dem Portugiesischen: einer, der sich wieder gewinnt, der sich wieder findet. Am Ende meines Jahres verspürte ich den Wunsch, als Freiwilliger nach Brasilien zu gehen und in der „Ursprungsfazenda“ mitzuarbeiten. Nach einem kurzen Urlaub im Haus meiner Eltern begann am 1. März 2020, mit dem Flug über den Atlantik, das Abenteuer meines Lebens. Ich konnte nur ein paar einzelne Wörter Portugiesisch, war noch nie wirklich weit weg von zuhause gewesen und hatte überhaupt keine Vorstellung davon, was es heißt, in Südamerika zu leben. Aber in dem Vertrauen, dass Gott für mich sorgt und auf mich aufpasst, konnte ich alles hinter mir lassen und mein Leben in seine Hände legen.

Nach einer langen Reise landete ich am Flughafen in Sao Paulo. Dort holte mich der deutsche Priester Christian Heim ab und wir fuhren auf den „Hof der Hoffnung“ in Pedrinhas/Guaratingueta, wo ich für die nächsten Monate lebte. Ich wohnte zusammen in einem Haus mit 14 Brasilianern. Wir kümmerten uns täglich um den Obst- und Gemüseanbau auf unserer Plantage.

Am Anfang hatte ich viele Zweifel und war oft frustriert, da ich die Sprache der Jungs weder verstehen noch sprechen konnte. Aber dann habe ich eine ganz prägende und wichtige Erfahrung gemacht: die Liebe kennt keine Hindernisse, Sprach- oder Kulturunterschiede.

Was macht Liebe aus? Meine Haltung dem Nächsten gegenüber und Taten. Oft ist es wichtiger, das lebendige Wort konkret in die Praxis umzusetzen, anstatt nur darüber zu reden.

So begann ich, mich durch meine Taten auszudrücken und durch Handreichungen, wie zum Beispiel, das Bett von meinem Bruder zu machen oder das Geschirr zu spülen, meinen Mitbrüdern näher zu kommen und Freundschaften zu schließen. Nach 3 Monaten konnte ich dann auch schon recht gut Portugiesisch und mir fiel vieles leichter. Ich fühlte mich angenommen und glücklich.

Das Leben in der Gemeinschaft mit meinen neuen brasilianischen Brüdern erfüllte mich jeden Tag mit großer Freude.

Als dann der Corona-Virus im März 2020 so richtig in Brasilien ankam, wuchs im Herzen unserer Gründer, Frei Hans Stapel und Nelson Giovanelli, die Frage, wo denn die Menschen hingehen, die auf der Straße leben und sich nicht vor dem Virus schützen können.

So machte die Fazenda die Türen weit auf, um diese Menschen von der Straße aufzunehmen und ihnen eine neue Perspektive zu geben. Einige Zeit später wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als Freiwilliger die Jungs in ihrer Quarantäne zu begleiten und mit ihnen diese Erfahrung zu teilen. Natürlich sagte ich sofort zu! Für einige Wochen lebte ich zusammen mit den Jungs in Isolation, im traumhaften atlantischen Regenwald in den Bergen von Guaratingueta.

Diese Zeit wurde für mich die wertvollste Zeit meines Lebens. Ich durfte ganz viel von meinen Brüdern lernen, meinen Glauben bezeugen und weitergeben.

Eines Tages kam ein Junge ohne Schuhe, nur mit kaputten Flipflops an den Füßen, zu uns und ich gab ihm meine Schuhe. 8 Monate später traf ich ihn wieder. Er war ein ganz anderer Mensch. Seine Ausstrahlung, der Glanz in den Augen, die Art wie er sich artikulierte… Er nahm mich weinend in den Arm und dankte mir dafür, dass ich ihm Monate vorher meine Schuhe geschenkt hatte.

Dies war für ihn eine der ersten Erfahrungen auf der Fazenda, durch die er sich geliebt fühlte.

Am Tag unseres Wiedersehens trug er noch immer meine Schuhe!

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich mich diese Erfahrung gemacht hat!

Wie viel kann eine kleine Tat der Liebe verändern!

Nach Absprache mit meinen Verantwortlichen, bin ich dann im Juli 2020 auf die Fazenda in Caico gereist, die im Nordosten Brasiliens liegt. Dort begegnete ich einer völlig anderen Mentalität und Realität als im Süden Brasiliens. Das Leben im Nordosten ist sehr einfach und arm. Die natürlichen Bedingungen trocken und von viel Hitze geprägt. Die Anpassung daran, war eine große Herausforderung für mich, aber nach einigen Woche habe ich mich, mit Hilfe der Jungs und dem Leben in der Gemeinschaft, gut eingelebt. In meiner Zeit dort haben wir, mit der Hilfe von Handwerkern aus der Stadt, ein zweites Haus gebaut, in dem jetzt schon Neuankömmlinge leben dürfen. Häufig hatten wir kein fließendes Wasser und duschten uns mit Wasser, das mit Eimern aus dem nächsten See geholt wurde. Trinkwasser mussten wir extra aus der 25 Minuten entfernten Stadt holen, und dass bei Temperaturen von täglich rund 42 Grad! Ich habe in dieser Zeit lernen dürfen, dass das Glück oft in den ganz kleinen Dingen liegt. Zum Beispiel im gemeinsamen Singen mit den Jungs. Man braucht zum Glücklichsein nicht viele materielle Dinge.

Wenn Gott unter uns ist, fehlt es uns an nichts!

Nach fast einem halben Jahr im Nordosten ging es dann für mich wieder zurück nach Pedrinhas/ Guaratingueta, in den Süden Brasiliens, wo ich eine gesegnete Adventszeit verbrachte und viele spirituelle Impulse mitnehmen durfte. Kurz vor Weihnachten erhielt ich dann die Einladung, eine neue Aufgabe, als ,,Padrinho“ (Verantwortlicher eines Hauses) in Macae, im Bundesstaat Rio de Janeiro, zu übernehmen. Dort leben wir auf einem Hof mit 47 Jungs in 5 Häusern. Wir stellen selbst Brot, Käse, Kekse, verschiedene Süßigkeiten und, seit neuestem, Pizza her. Alles verkaufen wir sonntags in der Stadt. Momentan darf ich dort das Haus der Neuaufnahmen begleiten, und die ersten Schritte der Jungs in ein neues Leben sehen und miterleben. Das Leben in Macae/Rio de Janeiro bereichert mich unglaublich, und ich bin sehr froh, wenn ich nach Ostern wieder zurückfliegen kann, um dort die nächste Zeit zu leben.

Gerade bin ich nach diesem erfüllten Jahr auf Heimaturlaub. Ich genieße die Zeit mit meiner Familie und Freunden. Tanke in jeder Hinsicht neu auf, bevor mein Weg mich Anfang April wieder nach Brasilien führt. Ich danke allen Menschen, die mich und uns im Gebet und mit Spenden unterstützen.

Ich fühle mich mit jedem einzelnen von euch nah verbunden. Jeden Tag aufs Neue darf ich die Erfahrung machen, dass das Leben mit Gott ein unglaublich spannendes, ewiges und bereicherndes Abenteuer der Liebe ist. Denn, „wenn wir unser Kreuz auf uns nehmen“ und Jesus folgen,

dann können wir täglich ganz wunderbare Erfahrungen machen und alle Schwierigkeiten

unseres Lebens bewältigen.

Gott hat uns geschaffen, um zu lieben und dorthin Licht zu bringen, wo Dunkelheit regiert.

Ich wünsche euch alles Gute und Gottes Segen für die kommende Zeit.

 

Euer Raphael

 

Wer Raphael in seinem Dienst in Brasilien unterstützen möchte, kann eine Spende auf das Konto der ElG Wiederstein-Zeppenfeld IBAN-Nr. DE30447615430607629200 überweisen.

Sie wird entsprechend weitergeleitet!

 

 

Zeit für Zwiegespräche

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

können Sie sich daran erinnern, wie sie als Kinder die Füße haben baumeln lassen?

 

Vielleicht saßen Sie auf einem Ast oder einer Mauer und haben die Füße hin und her schwingen lassen. Von außen betrachtet: Ganz entspannter Zeitvertreib…Oder eher angespannt: Welche Gedanken bewegt dieses Kind, wenn es die Beine schwingt? Wartet es? Ist Zuhause etwas vorgefallen? Bleibt es sitzen oder wird es herunterspringen? Was ist gewesen und wie geht es weiter?

 

Zeit die Seele baumeln zu lassen.
Ganz entspannt? Von außen betrachtet vielleicht. Oder eher voller Spannung: Hin und her schwingen zwischen dem was in der letzten Woche war und dem was vor einem liegt.

 

Der Psalm 42 nimmt uns mit in diesen Moment: Er lässt uns teilhaben an dem Zwiegespräch zwischen dem Beter und seiner Seele.

 

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele nach dir, Gott.
Meine Seele dürstet nach Gott – nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?
Tränen sind meine Brotspeise geworden bei Tag und bei Nacht, weil man die ganze Zeit zu mir sagt: „Wo ist dein Gott?“
Daran denke ich und schütte vor mir selbst meine Seele aus: Wie ich einherzog in großer Schar, wie ich pilgerte zu Gottes Haus im Schall von Jubel und Dank in der Schar der Feiernden. (Ps 42, 2-5)

 

Dem Beter geht es echt miserabel: Er fühlt sich Gott nicht nahe, sondern entfernt von ihm. In so einer Situation ist es Salz in der Wunde, wenn jemand sagt (oder ich mich selbst frage): Wo ist dein Gott? Da schnürt sich der Magen zu, der Hunger vergeht und Tränen fließen.

 

Gleichzeitig ist der Beter innerlich ausgetrocknet: Seine Seele dürstet – wie der Hirsch nach frischem Wasser lechzt. Das ist ein starkes Bild: Aus meiner Heimat kenne ich das Röhren der Hirsche – diese kraftvollen, tiefe Rufe lassen mich erschauern. Doch im Psalm ist es nicht dieser Ruf nach mehr Leben mit einer Partnerin, sondern das mächtige Tier lechzt klagend nach seinem bloßen Überleben – so sehr dürstet der Beter nach Gott.

 

Wann habe haben Sie sich so sehr nach Gottes Nähe gesehnt?

 

Der Beter sehnt sich, Gottes Angesicht zu sehen.
Jemandem dem Rücken zuzuwenden, das bedeutet: Abkehr. Demgegenüber heißt jemandem ins Gesicht zu schauen: Ich wende mich dir zu, ich bin dir nahe. Nach dieser Nähe Gottes in seinem Angesicht sehnt sich der Beter. So wie er sie einst spürte als er zusammen mit anderen feierte und Gott lobte.

 

In diesem Sehnen spricht der Beter nun direkt mit seiner Seele, die zwischen der guten Vergangenheit und der gegenwärtigen Sehnsucht nach Gottes Nähe schwingt:

 

Meine Seele, was bist du so bedrückt und bist so unruhig in mir? (Ps 42, 6)

 

Ich erstarre. Welcher Ton macht hier die Musik? Klingt das nicht nach einer billigen Vertröstung: Reg dich nicht so auf, Seele, ist doch alles nicht so schlimm…?  Klingt das nicht nach: Schweig Seele, ich will dich nicht hören! – frei nach dem Motto: Lieber gar keine Wünsche haben als mit unerfüllten Wünschen zu leben? Vorsichtig lese ich weiter:

 

Halte sehnsüchtig Ausschau nach Gott! Denn ich werde ihm noch danken für die Rettung in seinem Angesicht.

 

Meine Anspannung nimmt ab: Die Seele wird nicht vertröstet und nicht zum Schweigen gebracht. Im Gegenteil: Sie soll aufmerksam bleiben: Seele, halte sehnsüchtig Ausschau nach Gott!

 

Was soll das heißen?

 

Im Johannesevangelium wird von einer Frau berichtet, die zum Brunnen kommt, um Wasser zu schöpfen. Damals eine alltägliche Situation wie für uns, wenn wir kommende Woche einkaufen gehen. An dem Brunnen spricht sie ein Mann eines anderen Volkes an und bittet sie, ihm Wasser zu geben. Es entwickelt sich ein Gespräch zwischen den beiden mit dem Ergebnis: Die Frau geht zurück in die Stadt und sagt: „Ist er [dieser Mann am Brunnen] vielleicht der Christus?“ (Joh 4, 29) Mit Jesus als Christus in persona hat diese Frau nicht gerechnet, sie kannte ihn ja noch nicht. Aber ich glaube, man darf sagen: Sie hat sehnsüchtig nach Christus in ihrem Alltag Ausschau gehalten – wie sonst wäre sie zu diesem Ergebnis gekommen?

 

In Christus kommt Gott auf die Welt. In ihm spiegelt sich Gottes Angesicht, seine Nähe zu uns Menschen. Was Jesus zu der Frau sagte, gilt auch uns: „Wer von dem Wasser trinkt, was ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben. Vielmehr wird das Wasser, dass ich ihm gebe zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.“ (Joh 4, 14)

 

So ein sehnsüchtiges Ausschauhalten nach Gott wie es der Beter seiner Seele aufträgt, ist also keine Vertröstung. Sondern es ist eine trostreiche Verheißung und Aufgabe, für die ich Gott danke und um seinen Beistand bitte.

 

Ich lese weiter:

 

Mein Gott, meine Seele ist bedrückt in mir. Darum denke ich an dich im Jordanland und im Hermongebirge, am Berg Mizar. Fluten der Urzeit rauschen, deine Wasserströme tosen. „Alle deine Wellen und Wogen schlugen über mir zusammen.“ (Jona 2, 4)
Am Tag sendet der HERR seine Güte und bei Nacht singe ich ihm – ein Gebet zu dem Gott meines Lebens.
Zu Gott, meinem Felsen, sage ich: Warum hast du mich vergessen? Warum muss ich so traurig durchs Leben gehen, unterdrückt vom meinem Feind?
Todesschmerz fährt mir durch Mark und Bein, wenn meine Gegner mich verhöhnen, weil sie die ganze Zeit zur mir sagen: „Wo ist dein Gott?“ (Ps 42, 7-11)

 

„Muss denn auf Trost immer wieder Traurigkeit folgen?“ – so kommentiert Dietrich Bonhoeffer 1935 die zweite Strophe des Psalms. Wieder hadert der Beter mit sich und was die Leute zu ihm sagen „Wo ist dein Gott?“. Aber es ist eine andere Situation: Er denkt an die Wasserfälle im Jordanland und klagt Gott an:
„Alle deine Wellen und Wogen schlugen über mir zusammen.“

 

Ein starkes Stück, denke ich: Der Beter hat kein Problem damit, den überwältigenden Teil von Gottes Schöpfung anzusprechen: Wasser kann auch Leben vernichten. Gleichzeitig ist spannend, dass der Psalmist hier aus der Jonaerzählung zitiert (Jona 2, 4): Im Bauch des Fisches machte Jona Gott diesen Vorwurf: „Gott, alles bricht über mir zusammen!“ Wer hätte über Jona in diesem Moment gedacht, dass er nochmal in Ninive predigen würde? Doch Gott hat seinen Plan und ist gütig, daran hält auch der Beter fest. Und fest ist auch sein Ankerpunkt: Gott, sein Fels, seine Sicherheit.

 

So lässt der Beter seine Seele baumeln: Wie kann der Gott, der so stark ist wie ein Fels, auch so hart und unbeweglich sein wie ein Fels? Und er fragt: Warum hast du mich vergessen, Gott?

 

Manchmal steht alles gegen mich, meine irdische Hoffnung ist zerbrochen, Lebensziele sind gescheitert, alles erscheint sinnlos. Da frage ich wie der Beter „Warum hast du mich vergessen, Gott?“ – Sie auch? Ich will wissen, was die Ursache von meinem Kummer ist, das würde es doch besser machen oder?

 

Im Hintergrund steht hier der sog. Tun-Ergehens-Zusammenhang, d.h. sprichwörtlich: Ich bin in die Grube gefallen, also muss ich sie vorher gegraben haben, oder nicht? Ein berühmtes Beispiel für dieses Denken ist Hiob: Auch er fragt Gott nach dem Grund seines Leids: Warum Gott, warum? Und er erfährt, dass Gott hier gar nicht menschlich denkt: Gott ist Gott und der Menschen ist Mensch, darum kann der Mensch den Grund des Leidens und die göttliche Gerechtigkeit nicht begreifen. Wir bekommen also keine Antwort auf die Warum-Frage…

 

Und jetzt? Was ist das für ein Gott, der so einen Abgrund zwischen sich und uns auftut?

 

Fragen wir nach Gott, ist die Bibel ein guter Ausgangspunkt um Antworten zu suchen:
Wiederum spricht der Beter des Psalms seine Seele direkt an und wiederholt:

 

Meine Seele, was bist du so bedrückt und bist so unruhig in mir? Halte sehnsüchtig Ausschau nach Gott! Denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. (Ps 42, 12)

 

Wie der Beter des Psalms fühle ich mich manchmal von Gott vergessen und verlassen. Aber bin ich tatsächlich gottverlassen, wenn ich mich verlassen fühle? Ich halte Ausschau nach ihm:

 

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (Mt 27,46)

 

Jesus, der Sohn Gottes, hat es selbst erfahren: Zu leiden und das Gefühl von Gott verlassen zu sein. Hier ist er ganz auf unserer Seite und stirbt - soweit wir wissen - ohne Antwort seines Vaters. Doch dann kommt die Antwort: Gott lässt seinen Sohn auferstehen! Und der Auferstandene verheißt uns: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt 28, 20) – damit ist Christus zu unserer Brücke geworden, die Brücke über dem Abgrund zwischen Gott und Menschen!
In ihm sind wir niemals Gott verlassen. Im Gegenteil: Gott ist uns nah.

 

Liebe Leserin, lieber Leser, ich wünsche Ihnen, dass sie Zeit und Ruhe finden Ihre „Seele baumeln zu lassen“ mit allem, was Sie dieser Tage bewegt. Vielleicht möchten Sie anschließend in mein Gebet einstimmen:

 

Gott, mein Fels,
du bist mein sicherer Halt.
Ich danke dir, dass du deinen Sohn ganz hast Mensch werden lassen – er weiß, wie schmerzlich sich unser Leid und unsere Gottverlassenheit anfühlen: Du leidest mit uns.
Ich danke dir, dass du deinen Sohn hast auferstehen lassen und damit eine Brücke zwischen uns und dir schlägst: Du lässt uns nicht fallen und vergisst uns nicht.
Ich bitte dich, schenke mir und allen Menschen Vertrauen in dich: Du führst uns auf unseren Wegen und bist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende.
AMEN.

 

 

 

Herzliche Grüße

 

Angelika Mayer-Ullmann

 

 

 

„Kommt her zu ihm!

 Er ist der lebendige Stein,

 der von den Menschen für

 unbrauchbar erklärt wurde.

 Aber bei Gott ist er

 auserwählt und kostbar.“

 1.Petrus 2,4

 

 

Ihr Lieben,

  

das ist interessant: Petrus schreibt diesen Brief an „die Auserwählten, die in der Fremde verstreut sind“, an Christen, die ihrem HERRN trotz Verfolgung und Vertreibung treu geblieben sind.

 

Sind es deshalb „Vorzeige-Christen“? Es scheint einiges schief zu laufen, denn Petrus muss sie eindrücklich ermahnen, „mit aller Bosheit und aller Unwahrheit, mit Scheinheiligkeit, Neid und aller üblen Nachrede“ aufzuhören.

 

Gestandene Christen, denen er zuruft: „Kommt her zu ihm!“

 

Ganz offensichtlich brauchen auch Christen, die schon lange in der Nachfolge unterwegs sind, dieses „Wach-gerüttelt-werden“ und die Neuausrichtung auf Jesus Christus.

  

Auf wunderbare Weise beschreibt Petrus das Handeln Gottes durch SEINEN SOHN in diesem Brief. Es lohnt sich, dem nachzuspüren:

 

 „Denn er wollte, dass ihr sein gehorsames Volk werdet – rein gewaschen durch das Blut von Jesus Christus.“ (Kap.1,2)

 

„In seiner großen Barmherzigkeit hat er uns sozusagen neu geboren. Durch die Auferweckung von Jesus Christus aus dem Tod hat er uns eine lebendige Hoffnung geschenkt.“ (Kap.1,3)

 

 „Ihr wisst ja: Ihr seid von der nutzlosen Lebensweise freigekauft worden, die ihr von euren Vorfahren übernommen hattet – und zwar nicht durch vergängliche Dinge wie Silber oder Gold. Dies geschah vielmehr durch das kostbare Blut von Christus, dem fehlerfreien und makellosen Lamm.“ (Kap.1,18+19)

 

 Das hat Jesus für mich getan! Ich möchte es mir wieder neu bewusst machen! Jesus ist das Fundament meines, unseres Glaubens.

 

Petrus nennt ihn „den auserwählten, kostbaren Grundstein“. (Kap.2,6) Weil ich an Jesus glaube, gehöre ich zu denjenigen, „die ER aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (Kap.2,9)

 

Diese Aussagen gehen mir „runter wie Öl“, sind Balsam für meine Seele.

 

 Und doch ertappe ich mich dabei, dass ich in Gesprächen, wenn sie in die Tiefe gehen, zwar über Gott als den Schöpfer reden kann, aber JESUS in den Mund nehmen, das fällt mir häufig schwer.

 

Woran liegt das? Mit Jesus rückt mir Gott „auf die Pelle“. Durch IHN wird der Glaube an den Gott „Himmels und der Erden“ ganz konkret.

 

Jesus hat vorgemacht, wie sich Gott, der Vater, die Beziehung zu uns Menschen, seinen Geschöpfen, vorstellt - wie er sich die Beziehung zu mir und mit mir vorstellt.

 

Gerade in diesen Tagen, wo wir das Reden und Handeln Jesu im Evangelium des Lukas hautnah miterleben dürfen, wird wieder deutlich:

 

Jesus will uns ganz! Halbe Sachen funktionieren in der Nachfolge nicht.

 

„Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Willen. Und: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.“

 Lukas 10,27

 

Diesen Anspruch an uns können wir nur durch Jesus erfüllen. Niemals schaffen wir das aus eigener Kraft. Der Mensch ist nicht gut. Ich bin nicht gut. Nur durch die Liebestat Jesu bin ich vor Gott gut.

 

Gerade deshalb scheiden sich an Jesus die Geister. Jesus spaltet. Besonders die Scheinheiligen und frommen Heuchler werden durch IHN entlarvt! Für die einen ist ER deshalb der „Stein des Anstoßes“ und „Fels des Ärgernisses“, für die anderen ist Jesus der „Eckstein“!

 

An der Haltung zu ihm entscheidet sich, im Licht zu leben oder in der Finsternis zu bleiben.

 

Macht dieser Absolutheitsanspruch des Sohnes Gottes das Bekenntnis zu ihm so herausfordernd? Tue ich mich deshalb so schwer, Jesus zu bezeugen, in Wort und Tat? Nun, damit stehe ich wohl nicht alleine da.

 

Nachdem Petrus den Blick auf Jesus geschärft hat, fordert er die Empfänger seines Briefes auf, sich selbst „als lebendige Steine“ zur Gemeinde aufbauen zu lassen. Sie, und damit auch wir, müssen daran erinnert werden:  Gemeinde ist das „Haus der lebendigen Steine“, in dem Gottes Geist gegenwärtig ist.              

„So werdet ihr zu einer heiligen Priesterschaft und bringt Opfer dar, in denen sein Geist wirkt.“ (Kap.2,5)         Priesterschaft bedeutet, zu dienen. Mich für den anderen einzusetzen. Für den anderen und für mich betend vor Gott zu treten.

 

Was für ein Vorrecht! Ich darf meinen Nächsten vor Gott bringen, immer wieder! Ich bin ein Baustein seines „Hauses“. Gemeinde steht und fällt mit jedem einzelnen von uns. Mit mir ganz persönlich.

 

Lassen wir uns von Gott einsetzen, da wo er uns gebrauchen möchte.

 

Auch im Hier und Jetzt, trotz aller Beschränkungen, schafft ER Gelegenheiten zum „Dienen“.

 

ER befähigt uns dazu, durch seinen HEILIGEN GEIST und „heiligt“ uns durch das Blut des SOHNES.

 

Wertvolle Erfahrungen, auch beim Lesen des ersten Petrusbriefes

😊 wünscht euch Steffi Schöps.

 

 

 

Dem verborgenen Gott vertrauen - am Beispiel Josef!

 

„HERR, Gott, mein Heiland, ich schreie Tag und Nacht vor dir.“ (Psalm 88,2) Und reagiert er, hört, wendet er die Not? Fehlanzeige! Vielleicht geht es dir im Moment ähnlich und du bist müde geworden und fragst dich: Wie kann ein Mensch in so einer Lage ausharren, an Gott dranbleiben, obwohl sich scheinbar nichts tut, Gott „durch Abwesenheit glänzt“?

Wie im Fall Josef: Er fleht sehr wahrscheinlich schon in der Zisterne nicht nur seine Brüder um Erbarmen an (42,21), sondern auch Gott, dann in Ägypten bei Potifar, im Gefängnis, Woche um Woche, Jahr für Jahr - Und? Hört, erhört er, greift er ein? Offensichtlich nicht. Und doch handelt er, nur verborgen. Gott hat die ganze Zeit die Zügel fest in der Hand. Über viele Kapitel und Jahre hinweg spinnt er seine Fäden, führt er ungesehen das Regiment. Die vielen „Zufälle“ sind Teil eines großen Plans, den Gott minutiös und genial umsetzt. Beginnen wir in 1. Mose 37: Jakob musste Josef zu seinen Brüdern mit ihren Herden schicken (V. 13). Er musste glauben, dass seine Söhne noch bei Sichem waren (12). Hätte er gewusst, dass sie nach Dotan weitergezogen waren (17), einem weiter entfernten, viel einsameren Ort, hätte er ihn womöglich nicht geschickt. In Sichem angekommen, musste er dem Fremden begegnen, der wusste, wo seine Brüder waren, und der höflich genug war, ein Gespräch zu beginnen (15). Dieser Fremde wusste nur deshalb, wo Josefs Brüder hin waren, weil er zufällig mitgehört hatte, wie sie sich darüber unterhielten (17). Wäre Josef nicht diesem Mann begegnet oder hätte dieser nicht das Gespräch der Brüder mitbekommen, Josef wäre nie in Ägypten gelandet. Nur in einer so einsamen Gegend wie dort bei Dotan konnten die Brüder Josef „verschwinden“ lassen, nur dort war die Geschichte von einem wilden Tier, das Josef zerriss, glaubhaft (19f).

Der älteste Bruder Ruben, der Josef retten wollte, war „zufällig“ gerade nicht da, als die Karawane kam - und so konnten Juda und die anderen Josef als Sklaven verkaufen. Die Verkettung von „Zufällen“ reißen in Ägypten nicht ab: Er wird an den Hof des Pharaos gebracht. Die Ehefrau Potifars verliebt sich in ihn. Wenn sie ihn nicht der Vergewaltigung beschuldigt hätte, wäre Josef nicht im Gefängnis gelandet. Und einige Zeit später findet sich wieder zufällig in selben Gefängnis der in Ungnade gefallene Mundschenk des Pharaos wieder, der dem Pharao schließlich den Tipp für in Sachen Traumdeutung gab.

Ohne diese „Zufälle“ und zwar genau in dieser Reihenfolge, Josef wäre nicht nur nicht nach Ägypten gekommen, er wäre nicht zum 2. Mann im Staat aufgestiegen und viele Menschen wären verhungert, der Heilsplan mit Israel und letztlich mit Jesus hätte sich nicht erfüllt und zuguterletzt hätte es keinen Frieden und keine Versöhnung zwischen den Brüdern gegeben. Was für ein Trost, wenn wir wie Josef Jahre und vielleicht Jahrzehntelang beten und scheinbar alles nur noch schlimmer wird, kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, Gott ist dabei, die ganze Zeit, nicht erst, als sich der Mundschenk an Josef erinnert. Und er erhört unsere, seine Gebete um Rettung und Befreiung, aber eben nicht auf die Art oder nach dem Zeitplan, wie Josef das vorschwebte.

Die Josefsgeschichte macht uns Mut, dem verborgenen Gott vertrauen - auch wenn wir zuerst, vielleicht auch wie bei Hiob nie seinen Plan und sein Tun verstehen! Egal, wie viel oder wie wenig wir erkennen, lasst uns unser Vertrauen nicht wegwerfen (Hebr 10,35), sondern an Jesus dran bleiben, wie Hiob und Josef! Interessant ist eine Parallele zur Festnahme und zum Verkauf von Josef durch seine Brüder einige Jahrhunderte später. In dieser Begebenheit (2. Kö 6,8-23), die sich am gleichen Ort, nämlich in Dotan, abspielt, handelt Gott scheinbar völlig entgegengesetzt. Im einen Fall sieht Elisa auf sein Gebet hin Streitwagen und Heer Gottes, im anderen Fall ruft Josef scheinbar vergeblich zu ihm. Aber eben nur scheinbar, wie wir gesehen haben! Im Gegenteil, Josefs Errettung war zwar weniger übernatürlich und dramatisch wie z.Zt. Elisas, aber tiefer, umfassender und folgenreicher.

Gott lehrt uns anhand der Lebensgeschichte Josefs:Gott gibt uns sehr oft nicht das, um was wir ihn bitten, aber das, um was wir ihn gebeten hätten, wenn wir alles gewusst hätten, was er weiß. Wir dürfen nie denken, dass wir genug wissen, um Gottes Wege anzuzweifeln oder auf das was er da zugelassen hat, mit Verbitterung zu reagieren.

Wir dürfen nie meinen: „Jetzt habe ich mein Leben vermasselt, jetzt kann Gott nichts mehr für mich tun.“ S. 1. Mo 50,19-21; Rö 8,28! Josef er-/bekennt, dass hinter allem, was ihm widerfahren ist, letztlich Gottes Liebe und Güte stand. „Wenn die Josefsgeschichte und der Rest der Bibel wahr sind, dann ist alles, was mir in meinem Leben geschieht, etwas, das ich irgendwo brauche, wie schmerzlich es auch sein mag. Und wenn ich um etwas bete und Gott es mir nicht gibt, dann brauche ich es auch nicht, und wenn ich hundert Mal sicher bin, dass ich ohne diese Sache nicht leben kann.“ (Timothy Keller, Gott im Leid begegnen) Rö 8,38f: Alle Mächte des Bösen in mir selber und alle Mächte des Bösen draußen haben nicht die Macht, mich von Gottes Liebe zu treffen. Wenn ich mich einmal durch Christus Gott als sein Eigentum übergeben habe, bin ich sein und er ist mein, und nichts in der Welt kann das ändern!

Josefs Brüder haben bestimmt zeitweise gedacht, dass sie das Leben ihres Vaters und ihrer Sippe ruiniert hätten und dass Gott mit solchen wie ihnen nichts mehr zu tun haben wollte. Aber Gott baute ihr Versagen in seine Pläne ein. Das ist natürlich kein Freifahrtschein zum Sündigen, aber Trost, dass Gott selbst große Sünden in einen Wandteppich einweben, in dessen Muster etwas Nützliches und Wertvolles zu erkennen ist. „Gott sitzt am Webstuhl meines Lebens, und seine Hand die Fäden hält. Er schafft und wirket nicht vergebens, wenn ihm ein Muster wohlgefällt. Mir will es manchmal seltsam dünken, wie er die Fäden so verwirrt, doch niemals seine Arme sinken, wenn er das Weberschifflein führt. Manch rauhe Fäden lässt er gleiten durch seine liebe Vaterhand, er weiß aus allen zu bereiten für mich des Himmels Lichtgewand. Auch dunkle Fäden eingebunden flicht er in das Gewebe ein, das sind des Lebens trübe Stunden, dann schweige ich und harre sein. Und stille ich am Webstuhl stehe, wenn er auch dunkle Fäden spinnt den goldnen Faden ich nur sehe und freu mich dessen wie ein Kind. Denn ob es helle oder trübe, aus allen glänzt doch hervor der goldne Faden seiner Liebe, die mich zu seinem Kind erkor.“

Jahrhunderte nach Josef kam jemand, der von seinem eigenen Volk abgelehnt (Joh 1,11) und für 30 Silberstücke verkauft wurde (Mt 26,14-16). Er wurde von seinen Anhängern verleugnet und verraten, er wurde zu Unrecht in Ketten gelegt und zum Tode verurteilt. Auch er schrie zum himmlischen Vater und fragte sich, ob der Kelche des Leidens und des Todes nicht an ihm vorübergehen könne. Wie viele Jünger wie die in Lk 24, die ihrer Enttäuschung Luft machten (V. 21:„Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde“) haben sich nach dem schwarzen Freitag gedacht: Mit diesem Gott bin ich fertig! Wie kann er nur den besten Menschen, den wir je erlebt haben, so im Stich lassen? Was kann denn aus diesem Elend hier noch Gutes kommen? Aber wie Josef sieht Jesus hinter seinem Leiden Gottes Plan („Kelch des Vaters“).

Vor dem römischen Prokurator klärt er die Machtverhältnisse: „Du hättest keine Macht über mich, wäre sie dir nicht von Gott gegeben“ (Joh 19,11). Das „Dein Wille geschehe“ steht über seiner Passion (Mt 26,42). Er stirbt für seine Feinde und vergibt ihnen dabei, weil er weiß, dass hinter allem die Liebe und der Erlösungsplan seines Vaters steht. Seine Feinde haben es böse gemeint, aber Gott benutzt ihr Tun und baut es in seinen Plan ein, um viele zu retten, auch dich. Halleluja!

Was Gott tut, das ist wohlgetan, er ist mein Licht und Leben,

der mir nichts Böses gönnen kann; ich will mich ihm ergeben

in Freud und Leid, es kommt die Zeit, da öffentlich erscheinet,

wie treulich er es meinet.“ (Rodigast)

 

Christoph Nickel

 

Andacht Februar 2021

Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind!

Lukas 10, 20 

 

Begeistert sind die 72 Jünger zurückgekehrt. Jesus hatte sie zu zweit auf Missionsreise gesandt. Und sie haben Großes erlebt. Euphorisch erzählen sie: „Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen.“ Die Antwort Jesu wirkt wie eine kalte Dusche: „Darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“

Tritt Jesus hier als Spaßbremse auf?

Verbietet er vielleicht sogar die Freude über das, was im Dienst für ihn gelingt? Oder wie ist seine Reaktion zu verstehen? Ich bin davon überzeugt, dass Jesus sich sehr wohl mit seinen Jüngern über ihr erfolgreiches Wirken in seinem Namen gefreut hat. Aber er möchte nicht, dass sie ihre Freude an Erfolg oder Misserfolg im Leben oder im Dienst für ihn festmachen. Im Glauben gibt es nicht nur Höhepunkte sondern auch Tiefpunkte. Die Nachfolge Jesu ist kein Sonntagspaziergang und sie bietet nicht „alle Tage Sonnenschein“. Deshalb verweist Jesus seine Jünger damals und uns heute auf eine Freude, die unabhängig ist von den Wechselfällen des Lebens; eine Freude, die auch dann noch Bestand hat, wenn wir nicht gut drauf sind; eine Freude, die trägt in guten und in schlechten Zeiten, im Leben und im Sterben.

„Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ Was ist damit gemeint? Es geht um die doppelte Staatsbürgerschaft. Freut euch darüber, dass ihr nicht nur Bürger eures Heimatlandes, sondern außerdem noch Bürger des Reiches Gottes seid. Freut euch darüber, dass ihr zu Gott gehört! Er ist euer Vater. Er will für euch sorgen wie ein Vater für seine Kinder sorgt. Nicht so, dass ihr vor Leid und Tod bewahrt bleibt. Nicht so, dass ihr keine Sorgen und Nöte, keine Schwierigkeiten und Probleme habt. Aber doch so, dass ihr das große Ziel erreicht, dass er für euch bereitet hat. Hier auf dieser Erde erlebt ihr Höhen und Tiefen, Erfolge und Niederlagen, Krankheit und Leid. In jener neuen Welt Gottes gibt es keine Tränen mehr, keine Schmerzen, kein Geschrei, keinen Streit, keinen Krieg und keinen Tod.

In dieser neuen Welt wird Gott selbst bei den Menschen wohnen. (Offb. 21, 3-4) Die Bibel spricht von dem zukünftigen Gottesreich nur in Bildern. So vergleicht Jesus das Reich Gottes einmal mit einem großen Festessen. Das bedeutet: Gott selbst will sich mit uns Menschen an einen Tisch setzen. Und er will mit uns ein Fest feiern, das alles bisher Erlebte weit in den Schatten stellt. Auch wenn wir nicht wissen, was genau auf uns zukommt, so dürfen wir doch sicher sein, dass wir an Gottes Tisch nichts vermissen werden. Und es kann eigentlich keine größere Freude geben, als die Gewissheit, bei diesem großen Fest Gottes mit dabei zu sein. Aber - kann man das denn wissen? Ist es nicht ziemlich vermessen, zu behaupten, man habe die Eintrittskarte zum Gottesreich schon in der Tasche?

Es ist die alte Frage: Kann man wissen, ob man Christ ist? Viele finden es arrogant und überheblich, darauf mit einem klaren „Ja“ zu antworten und sagen deshalb: „Ich bemühe mich Christ zu sein!“ Dahinter steckt die Überzeugung, dass man einen bestimmten moralisch- ethischen Standard erfüllen und einen undefinierbaren Vollkommenheitsgrad erreichen muss, um sich mit vollem Recht Christ oder Bürger des Gottesreiches zu nennen.

Die Bibel sagt etwas anderes: Alle, die an Jesus Christus glauben, sind Gottes Kinder (Joh. 1, 12: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben). „Glauben“ meint nicht ein theoretisches frommes Kopfwissen, sondern eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus, die von Vertrauen und Liebe geprägt ist. Wer Jesus in sein Leben aufnimmt, ist ein Kind Gottes und hat ewiges Leben. (Joh. 3, 16: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eigenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben) Hier steht nicht: alle, die an Jesus glauben, haben gute Chancen bei Gottes Festmahl dabei zu sein. Hier steht: Alle, die an Jesus Christus glauben, haben das ewige Leben - und das nicht erst nach ihrem Tod sondern schon hier und jetzt. Sie sind Bürger des Reiches Gottes. Ewiges Leben hat für sie schon begonnen.

Ich möchte euch ermutigen, die Zusagen Gottes für euch ganz persönlich in Anspruch zu nehmen. Wir dürfen sagen: Weil ich an Jesus glaube, bin ich Christ. Ich bin Bürger des Reiches Gottes. Mein Name ist im Himmel geschrieben. Nicht, weil ich ein so toller Mensch bin, sondern weil Gott mir das in seinem Sohn Jesus Christus schenkt. Jesus hat meinen Namen im himmlischen Einwohnermeldeamt eingetragen und auch für mich ist er hingegangen, um mir dort eine Wohnung zu bereiten (Joh. 14, 1-3) Das darf ich glauben. Darauf darf ich mich verlassen. Und darüber darf ich mich freuen. Ich bin Bürger seines Reiches. Das bin ich auch dann, wenn ich immer wieder schuldig werde an Menschen und vor Gott. Das bin ich auch dann, wenn ich im Glauben eine Durststrecke durchlebe. Ich gehöre zu ihm auch dann, wenn mein Gefühl mir etwas anderes einreden will. Ich bin ein Kind Gottes trotz meiner Fehler und Schwächen.

Wenn das kein Grund zur Freude ist! In diesen Zeiten geht vielen die Freude verloren. Auch uns setzen die Einschränkungen zu. Wir sind nicht immer fröhlich und glücklich. Deshalb wollen wir uns immer wieder neu daran freuen, dass unsere Namen im Himmel geschrieben sind und dass Gott uns und unser Leben in seiner Hand hält. Diese Freude darf unseren Alltag bestimmen und uns innerlich stark machen. Und diese Freude darf nach außen dringen, damit andere Menschen sich davon anstecken und dazu einladen lassen, selbst Bürger des Reiches Gottes zu werden.

 

In dieser Freude verbunden grüße ich euch alle ganz herzlich und wünsche euch eine gesegnete neue Woche. Bernd Edelmann

Andacht Januar 2021

Wirf dein Anliegen auf den HERRN;

der wird dich versorgen

und wird den Gerechten

in Ewigkeit nicht wanken lassen.“

Psalm 55,23

 

Ihr Lieben,

 

das Neue Jahr hat begonnen und doch setzt sich, gefühlt, das Alte einfach so weiter fort. Immer noch Lockdown, immer noch ein Leben möglichst ohne soziale Kontakte. Was eigentlich schon ein Widerspruch in sich darstellt. Denn was ist der Mensch ohne sein soziales Umfeld, ohne Beziehungen? Wie dankbar sind wir für Menschen, mit denen wir unser Leben teilen dürfen. Wie dankbar, wenn wir uns wenigstens mitteilen können und wir erleben dürfen, dass sich andere für uns interessieren.

Ja, „man“ bemüht sich, und doch durchleben einige von uns einsame Stunden. In den letzten Tagen habe ich oft an Josef aus dem Alten Testament gedacht: herausgerissen aus seinem vertrauten Umfeld, musste er sich in einem fremden Land, einer fremden Kultur, zurechtfinden. Es lässt sich kaum erahnen, wie schwer es ihm gefallen sein muss, diese neue Lebenssituation anzunehmen. Schließlich war er ja gewaltsam nach Ägypten gebracht worden.

Abgeschnitten – vor allem von der Liebe seines Vaters, Jakob. Aber dann lesen wir: „Und der HERR war mit Josef, sodass er ein Mann wurde, dem alles glückte.“ 1.Mose 39,2a Josef ist offensichtlich angekommen in diesem fremden Land. Sein Herr, Potifar, erkennt schnell die Begabungen, die in seinem neuen Diener stecken. Doch Josef wird ein neuer Tiefschlag versetzt. Falsche Anschuldigungen bringen ihn ins Gefängnis. Josef ist am Boden. Was muss in seinem Kopf los gewesen sein, als er ins Gefängnis geworfen wird? Wie verzweifelt wird er gewesen sein! Wieder Gewalt, wieder eine neue Umgebung, wieder Isolation… Und doch heißt es: „ Aber der HERR war mit ihm und neigte die Herzen zu ihm und ließ ihn Gnade finden vor dem Amtmann über das Gefängnis…“ 1.Mo.39,21

Das liest sich für uns so leicht, nicht wahr? Jung ist er, schön, ein kluger Kopf und voller Tatendrang – alles plötzlich „auf Eis gelegt!“ Für Josef ist der lebendige Gott genauso wenig sichtbar und körperlich anwesend, wie er es für uns ist. Aber er erlebt ganz offensichtlich Gottes Wirken und seinen Segen! Den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs lernt er fernab seiner Heimat immer mehr kennen. Die auferlegte Isolation treibt ihn in die Arme des unsichtbaren Gottes. Josef muss die schmerzliche Erfahrung machen, dass er sich nicht auf Menschen verlassen kann. Seine Bitte, die er an den Mundschenk richtet, bleibt unerhört: „Aber gedenke meiner, wenn dir’s wohlgeht, und tu Barmherzigkeit an mir, dass du dem Pharao von mir sagst und mich so aus diesem Hause bringst“ (1.Mo.40,14).

Zwei endlose Jahre vergehen – dann erst erinnert sich der Mundschenk an Josef und an seine Fähigkeit, Träume zu deuten. Zwei Jahre, in denen Josef gewartet, gehofft und vermutlich irgendwann aufgegeben hat, dass ihm der Mundschenk zur Hilfe kommen wird. Zwei Jahre, in denen Josef lernt, alles von Gott zu erwarten, sich ganz auf IHN zu verlassen… Was für ein hartes Ringen wird das gewesen sein! Gott greift ein, Josef darf das erleben. Josefs Werdegang nach seiner Freilassung ist nahezu atemberaubend! Die Erfahrungen, die er während seiner zwangsweisen Isolation machen musste, begleiten ihn sein Leben lang. Sie haben ihn gelehrt, in allem, was ihm begegnet, sich ganz von Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, abhängig zu machen. Das Nachdenken über Josef macht mir Mut, gerade in dieser ungewissen Zeit. Es lässt mich ruhig werden, weil ich mich DEM anvertrauen darf, der weiß, was ich brauche – heute.

„Wirf dein Anliegen auf den HERRN; der wird dich versorgen und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen.“ Psalm 55,23

„In Ewigkeit lässt er den Gerechten nicht wanken“ – wie gut tut das zu wissen, dass wir bei IHM, durch Jesus Christus gerecht gesprochen, Zukunft haben! Atemberaubend!

 

Von Herzen wünsche ich euch deshalb Kraft und Zuversicht.

Steffi Schöps

Andacht  zum  Jahreswechsel

 

Meine Zeit steht in deinen Händen

 

Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.
                      

 

Sorgen quälen und werden mir zu groß:
Mutlos frag ich: Was wird morgen sein?
Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.
Vater, du wirst bei mir sein.

 

Peter Strauch richtet in seinem Lied den Blick in die Zukunft. Und die liegt im Dunkeln. Gerade in einer Pandemie wie wir sie zurzeit erleben, machen wir uns Sorgen. Niemand von uns weiß, was morgen sein wird.
Werden meine Familienangehörigen, meine Freunde und Bekannten und auch ich gesund durch den Winter kommen? Ist mein Arbeitsplatz sicher?  Hält mein Glaube auch in Krisenzeiten? Wann können wir endlich wieder ein Leben führen wie vor dieser schrecklichen Pandemie mit vielen sozialen Kontakten, mit Urlaubsfahrten, unbeschwerten Feiern, dem uneingeschränkten Besuch von Veranstaltungen und Gottesdiensten, Gruppen- und Gemeinschaftsstunden?

 

Diese Fragen bedrücken uns. Manchmal quälen sie uns und machen uns Angst. Vor allem auch im Blick auf unsere eigene Vergänglichkeit. Wir leben in einer schwierigen  Zeit.

 

In der griechischen Sprache gibt es zwei Begriffe für Zeit: Chronos und Kairos. Chronos ist die messbare und damit auch die ablaufende Zeit, die uns unsere Vergänglichkeit deutlich vor Augen führt.

 

Als Kairos bezeichnet der Grieche die besonderen Momente, die dem Leben Wert, Sinn und Inhalt verleihen. Aber auch den günstigen Zeitpunkt für eine Entscheidung, dessen ungenutztes Verstreichen Nachteile mit sich bringt.

 

Einen ganz besonderen Moment gibt es in der Menschheitsgeschichte, mit dem ein neues Zeitalter (griech. Äon) angebrochen ist.

 

In der Bibel liest sich das so: Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn….
(Gal. 4, 4)

 

…damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen sondern das ewige Leben haben. (Joh. 3,16)

 

Gott hat uns Menschen besucht und erlöst. Seitdem leben wir in einer besonderen Zeit: in der Heilszeit.

 

Alle, die sich auf eine Glaubens- und Lebensbeziehung mit ihm einlassen, werden heil an Seele und Geist, sind Gott angenehm trotz Schuld und Versagen. Wir dürfen wissen: Gott liebt uns. Er hält uns. Er trägt uns. Er lässt uns nicht los. Er ist bei uns. Jetzt und in Zukunft.

 

Bei ihm finden wir Geborgenheit. Deshalb können wir ruhig sein und mit Zuversicht ins neue Jahr gehen.

 

Nicht der Chronos (die ablaufende Zeit) soll unsere Gegenwart und unser Denken und Handeln bestimmen sondern der Kairos. Jesus Christus gibt uns ein neues Leben, das mit dem Tod nicht endet sondern das sich vollendet in Gottes ewigem Reich.

 

Das gibt uns auch eine neue Perspektive im Blick auf unsere Zukunft. Es ist nicht mehr alles entscheidend, wie lange ich auf dieser Erde lebe. Ich darf den Zusagen Gottes vertrauen, und mich darauf freuen, nach meinem Tod in seinem ewigen Reich zu leben.

 

Unser Zeitverständnis gleicht daher nicht mehr der Sanduhr sondern

dem runden Ziffernblatt.
Nach unserer Todesstunde O geht es weiter.

 

Manchmal können wir das glauben und manchmal fällt uns das schwer. Deshalb tun wir gut daran, an der Schwelle vom alten ins neue Jahr mit Peter Strauch zu beten: Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir!

 

Nicht um ein hartes Herz beten wir, sondern um ein Herz, das sich ganz fest gründet auf das, was Jesus Christus für uns getan hat.

 

Nicht unser Glaube ist der Fels, auf dem wir stehen, sondern Jesus Christus. Bei IHM wollen wir uns fest machen und ruhig sein, ruhig sein in IHM. Er gibt Geborgenheit. Er kann alles wenden.

 

Deshalb freuen wir uns auf diese neue Jahr 2021 und erwarten  getrost, was kommen mag: Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
(Dietrich Bonhoeffer)

 

 

 

Im Namen des Vorstands der ELG

 

wünsche ich euch ein gesegnetes und behütetes Jahr 2021.

 

 

Bernd Edelmann

 

 

Andacht zum 4. Advent

Wir wissen nicht einmal woher er ist Wie stellen wir uns vor? In lockerer Runde meistens nur mit unserem Vornamen. Ist die Runde etwas unbekannter, dann mit Vornamen, Nachnamen und Wohnort. Wie die Meisten sicherlich mitbekommen haben, wechsle ich die Stelle. Für Miete und Co musste ich in den letzten Wochen viele Formulare ausfüllen. In einigen Formularen braucht es neben dem Geburtsdatum, auch den Geburtsort. Wenn ich auf manche Dokumente aus der Kindheit schaue, steht sogar das genaue Krankenhaus drauf, in dem ich geboren wurde. Als mir das auffiel, musste ich lachen: Was würde Jesus heute in den ganzen Formularen angeben: Stall in Bethlehem – Futterkrippe. Jeder Mensch auf dem Amt würde es für einen Scherz halten und bei online Dokumenten würde es vermutlich in den Spam-Ordner geschoben. Klingt ja eigentlich wirklich verrückt: Hallo ich bin Jesus und ich wurde im Stall geboren. Wer nicht daran glaubt, denkt sich wahrscheinlich auch: Ja klar und ich auf dem Mars. Wir finden sogar Bibelgeschichten, in denen gesagt wird „Von dem da wissen wir noch nicht einmal, woher er kommt.“ Jesus heilt einen Mann, der von Geburt an blind war. Mit der Aussage „Solange ich in dieser Welt bin, bin ich das Licht für die Welt.“ (Johannes 9,5), geht er hin und schenkt ihm sein Augenlicht. Die Leute wundern sich, fragen den Mann, wie das geschehen konnte. Er berichtet von dem Mann, der Jesus heißt, kann aber auch nicht viel mehr über ihn erzählen. Sie bringen den Mann zu den Pharisäern. Auch ihnen erzählt er seine Geschichte, doch sie glauben ihm nicht. Er kann nicht von Gott kommen, das ist unvorstellbar für die Gelehrten. Nach einem Gespräch mit den Eltern, befragen sie den geheilten Mann ein zweites Mal. Er fragt sie ob sie auch Jünger von Jesus werden wollen, weil sie immer und immer wieder nachfragen. Die Pharisäer bezeichnen sich selber aber als Jünger von Mose. Von Jesus wollen sie nichts wissen: „Du bist Jünger von ihm! Aber wir sind Jünger von Mose. Wir wissen, dass Gott selbst mit Mose gesprochen hat. Von dem da wissen wir noch nicht einmal, woher er kommt.“ (Johannes 9,28f – Basis Bibel) Die Pharisäer machen ihr Jünger sein, ihr Boten Gottes sein, daran fest, dass Gott mit dem Menschen gesprochen hat, dem sie versuchen nachzueifern. Mose ist ihr großer Held. Er hat viel mit Gott erlebt. Einer der sich Jesus nennt und als Baby in einem Stall geboren wurde – Das kann kein Gesandter Gottes sein, der andere heilt. Der geheilte Mann antwortet daraufhin: „Dieser Mann könnte nichts vollbringen, wenn Gott ihn nicht geschickt hätte.“ (Joh, 9,33). Und letztendlich tut Gott ja genau das an Weihnachten. Die Frage ist, was brauchen wir. Blenden wir aus, dass Jesus, wie jeder Mensch als Baby geboren wurde, sogar unter ganz einfachen Bedingungen – im Stall? Ein hilfsbedürftiges Baby… Hören wir nur auf Leute, die vermeintlich große, tolle Sachen erlebt haben mit Gott? Sind es nur große, tolle, imposante Erfahrungen, die uns in unserem persönlichen Glaubensleben beeinflussen und leiten? Lasst uns doch versuchen, grade an Weihnachten, wo oft vieles laut, bunt und prunkvoll ist, auch die kleinen stillen Momente wahrzunehmen. Vielleicht ist ein Mensch, den wir noch gar nicht so viel wahrgenommen haben, jemand, der uns Gott ein Stück näher bringen kann. Vielleicht sind es kleine Geschehnisse, grade in diesem Jahr, die uns Gottes Nähe beweisen. Gottes Nähe, die er uns durch ein kleines Baby im Stall, durch seinen Sohn Jesus auf dieser Welt greifbar machen möchte. Jesus sagt bevor er den Mann heilt: „Solange ich in dieser Welt bin, bin ich das Licht für die Welt.“ (Joh. 9,5). Wir sind seine Jünger, lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass Jesus in dieser Welt bleibt, dass es Menschen nicht komisch ist, dass er sich vorstellt mit: Hallo ich bin Jesus. Ich bin Gottes Sohn und wurde in einem Stall in Bethlehem geboren und ich bin für Dich da! Amen. Textgrundlage: Johannes 9,1-33 Ich wünsche euch einen gesegneten 4. Advent. Lena Nessel (Jugendreferentin)

Andacht 24.05.2020

„Jesus Christus,

gestern und heute

und derselbe auch in Ewigkeit.“

Hebräer 13, 8

 

Ihr Lieben,

die momentanen Ereignisse in dieser Welt geben uns mehr und mehr zu denken. Da wirft ein Virus uns von heute auf morgen völlig aus der Bahn. Wir spüren plötzlich, welchen Bedrohungen wir Menschen hilflos ausgeliefert sind. Und wir spüren die Ratlosigkeit und Hilflosigkeit der Politiker und der Gesundheitsexperten – auch wenn sie versuchen, es uns anders darzustellen. Wie kommen wir uns da vor, wie fühlen wir uns?

In einem eindrücklichen Bild wird uns diese Situation vor Augen gestellt:

 

Da ist ein Segelschiff weit draußen auf dem Meer. Ziellos und orientierungslos jagt dieses Schiff dahin. Der Platz des Steuermanns auf der Reling ist leer. Gespenstisch dreht sich das große Steuerrad langsam hin und her. Das Schiff wird vom Wind bewegt und von der Meeresströmung getrieben. Schutzlos treibt es dahin.

 

Gerade in den momentanen Geschehnissen wird die Wahrheit dieses Bildes deutlich.

Da stellen sich immer dringlicher die Fragen: Wer gibt mir da noch Sicherheit? Woran können wir uns halten? Wer gibt mir Halt? In einem seiner Lieder greift Manfred Siebald diese Frage auf. Er knüpft an das Bild vom Schiff als Beispiel für das Leben an und fragt:

„Sind wir noch zu retten? Wo geht es entlang? Sind wir schon am Ende oder kommt die Wende vor dem Untergang?“

Und er gibt dann auf diese Fragen auch die entscheidende Antwort:

„Es gibt noch einen, der müsste jetzt her. Der kennt den Wind, das Schiff und das Meer; denn er schuf das Schiff und er kennt den Kurs – wenn uns einer hilft, dann er.“

 

Es ist: Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. In unserem Bibelwort aus Hebräer 13,8 wird Jesus als der Einzige beschrieben, der in den Stürmen der Zeit unerschütterlich feststeht.

Vieles ändert sich, aber einer bleibt derselbe und das in einer ganz außergewöhnlichen Verlässlichkeit, Jesus Christus. Das weckt doch Vertrauen! Da ist einer, der zu dem steht, wer er ist und was er sagt. Er ist auch morgen noch da, treu und verlässlich. Er lebt und will uns in unserem Leben begleiten und Halt geben.

Jesus steht dafür, dass Gott uns nicht aufgibt. Gott hat uns mit ihm alles gegeben, weil ihm so viel an uns liegt. Jesus, der unveränderliche lebendige Fels in der Brandung unseres Lebens, gibt uns den Halt und das Vertrauen, das wir brauchen.

 

Es gibt nichts Größeres, als wenn jemand seine ganze Hoffnung auf Gottes Gnade setzt und sich durch nichts davon abbringen lässt.

 

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine hoffnungsvolle Woche mit der Aussicht, dass wir uns an Pfingsten im Vereinshaus wiedersehen!

 

Euer Alfred

Andacht 17.05.2020

Freut euch, daß ihr Hoffnung habt.

bleibt standhaft,

wenn ihr leiden müßt.

Hört nicht auf zu beten.

Römer 12,12 (Basis Bibel)

 

Liebe Geschwister,

wie geht es euch in und mit dieser bewegten Zeit im Frühjahr 2020?

Schon einige Male habe ich es im Gespräch gehört, gerade auch von älteren unter euch: „Wir haben ja in unserem Leben schon vieles gehabt, aber so etwas gab es auch noch nicht!“

Ja, so etwas gab es noch nicht. Nicht in Kriegszeiten, nicht in der Zeit des Aufbaues, auch nicht in den vergangenen vielen Jahren wachsenden Wohlstandes in unserem Land.

 

Für eine solche Situation, wie wir sie gerade erleben, gibt es keine Vorlage. Keiner kann genau sagen, welche Folgen diese oder jene Entscheidung hat. Was an der einen Stelle hilft, schadet an einer anderen.

Wir erleben es seit Beginn der Corona-Krise bei den Entscheidungsträgern in der Politik und an anderen Stellen: Es ist ein mühsames herantasten an hoffentlich gute Entscheidungen, ein ständiges Prüfen und Korrigieren. Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die diese Verantwortung auf sich nehmen!

Wir sollten alle mit Kritik für unsere Politiker sparsam und mit Gebet für sie verschwenderisch umgehen, gerade jetzt.

 

Durch einen Freund bin ich vor einiger Zeit auf die irische Band „Rend Collective“ aufmerksam geworden, eine Musikgruppe, die die christliche Botschaft durch fröhliche irische Musik vermittelt. Sehr hörenswert!

In einem Liedtext dieser Band heißt es:

 

In meinem Ringen, in meinen Zweifeln und meinem Versagen, du bleibst da.

Deine Liebe wird mich durchtragen, du gibst mir Halt in der rauhen See.

Mein Leuchtturm, du strahlst in der Dunkelheit, ich will dir folgen.

Ich vertraue dem Versprechen: Du bringst mich sicher an Land.

 

Gerade in solch bewegten Zeiten stellt sich die Frage: Was bewegt sich nicht? Was steht fest? Wer gibt die Richtung vor?

Für Seefahrer in früheren Zeiten war klar: Ein Leuchtturm ist unveränderlich, er gibt die Richtung an, wenn sich auch sonst auf See alles in Bewegung befindet.

Wir dürfen uns, vielleicht auch nochmal ganz neu und ganz persönlich, den Zusagen aus Gottes Wort anbefehlen. Was uns Angst macht, dürfen wir Jesus an‘s Herz legen. Ganz so, wie es in dem Liedtext heißt: Auch in meinem inneren Ringen und allen meinen Zweifeln bist Du doch da!

Und in dem Vers aus dem Römerbrief gibt Paulus uns eine gute Handlungsanweisung:

Wir haben eine begründete Zukunftshoffnung, darüber dürfen wir uns freuen, bei allen äußeren Unsicherheiten!

 

Wir sollen nicht träge werden, uns auch nicht einschüchtern lassen, und am Gebet festhalten.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine hoffnungsvolle Woche, mit viel Gebet in Dank, Lob und Bitten füreinander!

 

Euer Stephan

Andacht 10.05.2020

Ihr habt ja nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht.

Dann müsstet ihr doch wieder Angst haben.

Ihr habt  vielmehr einen Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht.

Weil wir diesen Geist haben, können wir rufen: „Abba! Vater!“

Römer 8,15

 

Fühlst du dich frei? Die äußeren Umstände, in denen wir uns zurzeit befinden, sprechen nicht gerade dafür: Mit einer Maske einkaufen müssen. Darauf achten, dass der nötige Abstand eingehalten wird. Hände waschen, wenn man nach Hause kommt. Kaum jemanden besuchen können oder selbst besucht werden. Großeltern trifft es doppelt hart. In Urlaub fahren – erst mal nicht. Schule – ab nächste Woche mal hin und wieder. Arbeit: die einen ackern ohne Ende, „systemrelevant“ heißt das jetzt, und anderen wurde ihre Arbeit weggerissen. Größere Zusammenkünfte, egal in welcher Form - geht nicht.

Gottesdienste, Gemeinschaftsstunden: ja, aber mit erheblichen Einschränkungen…

Freiheit fühlt sich anders an!

 

Wir erleben trotz schrittweiser Lockerungen die Einschränkung der persönlichen Freiheit. Das gab es seit 75 Jahren nicht mehr in dieser Form. Wir sind gerade Zeugen einer Zeit, in der totalitäre Regierungen die schwierige Situation ausnutzen und Grundrechte extrem beschneiden, ihre Bürger immer mehr unterdrücken und die Pressefreiheit mit Füßen treten. Und auch in der sogenannten „Freien Welt“ gibt es Staatsmänner, die deutlich weniger umsichtig und besonnen auf das Auftreten des Corona-Virus reagiert haben und jetzt mit noch schlimmeren Folgen zu kämpfen haben als andere. Nur wenige Menschen auf diesem Erdball haben das Vorrecht, so leben zu dürfen wie wir.

 

Fühlst du dich also frei? Wie frei bist du, unabhängig von den derzeitigen äußeren Umständen? Sind wir nicht alle in einem gewissen Maße unfrei?

Unfrei, weil wir in Lebenssituationen hineingestellt sind, in denen wir mit Krankheit oder körperlichen Einschränkungen zu kämpfen haben.

Unfrei, weil wir mit den Folgen falscher Entscheidungen leben müssen.

Unfrei, weil wir beruflichen oder privaten Zwängen ausgesetzt sind.

Unfrei, weil unser „Innenleben“ so ganz anders aussieht als das, was wir nach außen vorgeben…

Ich glaube, da lässt sich noch so einiges ergänzen.

 

Die Sehnsucht nach Freiheit ist ein wesentliches Merkmal unserer menschlichen Existenz. Paulus zeigt uns auf, wie wirkliche Freiheit erlebt werden kann: in der geheilten Beziehung zu Gott, dem Vater.

Es kommt auf den Geist an, der uns innerlich erfüllt! Die äußeren Umstände, in denen wir leben, können wir in der Regel nicht ändern:

wir haben keine Entscheidungsgewalt darüber, in welches Land wir hineingeboren werden, welche Hautfarbe wir tragen oder in welcher Familie wir groß werden.

 

Aber wir dürfen in einer von Jesus Christus schuldbefreiten Beziehung zu Gott, dem Vater leben.

Wer sich unumschränkt geliebt weiß, der darf ganz unbeschwert „lieber Vater“ sagen. Wer zum Schöpfer aller Dinge „lieber Vater“ sagen darf, der darf voller Vertrauen, sozusagen mit einem intakten Urvertrauen, sein ihm geschenktes Leben – leben-. Sich mit allem, und wirklich a l l e m (!), an Gott den Vater wenden dürfen, das ganze Innenleben mit ihm teilen, empfinde ich persönlich ungeheuer befreiend. Da ist jemand, der meine Last teilt, vielmehr noch, der mich mit meiner Last trägt. Da ist jemand, dem ich alles, aber auch wirklich a l l e s, sagen darf. Ja, dem ich auch mein Unverständnis, meine Zweifel, mein Hadern, aber auch meine Glückmomente vor die „Füße werfen“ darf.

 

Ich bin fest davon überzeugt: je mehr ich mich darin übe, vor Gott keine Maske zu tragen, brauche ich das auch nicht vor den Menschen.

Werde ich mir immer mehr bewusst, rundum geliebt zu sein, wird mein Selbstbewusstsein gesunden. Ein befreites Innenleben führt unweigerlich auch zu Veränderungen nach außen. Es macht mich mutiger in der Begegnung mit meinem Gegenüber. Je aufrichtiger und ehrlicher ich mich in den von Gott geschenkten Momenten der Begegnung mit Anderen verhalten habe, umso besonderer (heiliger?) habe ich diese Momente erlebt. Vielleicht habt ihr ähnliches erfahren…

 

Sören Kierkegaard schreibt: „Es gehört Mut dazu, sich so zeigen zu wollen, wie man in Wahrheit ist.“

Gottes geliebte Kinder dürfen mutig sein! Das wünsche ich euch für die kommende Woche!

 

In herzlicher Verbundenheit

Steffi Schöps

Andacht 03.05.2020

Liebe Geschwister,

jetzt bekommt ihr den nächsten Brief, das heißt, sieben Gemeinschaftsstunden sind schon ausgefallen. Da ist Geduld gefragt. Es heißt nicht umsonst, sich in Geduld „üben“. Das ist nicht so einfach, denn es ist ja nicht so, dass der geduldige Mensch nichts wollte, oder dass es ihm weniger wichtig wäre wie dem Ungeduldigen.

 

Ein geduldiger ist besser als ein Starker, und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte gewinnt! Sprüche 16, 32

 

Geduld ist wahre Stärke. Aber woher die Geduld nehmen?

 

Vertraue auf den Herrn! Sei mutig und tapfer und hoffe geduldig auf den Herrn! Psalm 27, 14

 

Aus Erfahrung wusste David, was es heißt auf den Herrn zu warten. Es hat viele Jahre gedauert, in denen David von Saul verfolgt wurde, bis Gott sein Versprechen erfüllte ihn zum König zu machen. David musste Geduld lernen! Das konnte er, weil er Gott vertraute.

Unser Glaube lehrt uns, warten zu können, unsere Sorgen im Gebet abzugeben und darauf zu vertrauen, das Gott unseren Weg begleitet und nur das Beste für uns im Sinn hat. Wir können geduldig erwarten was Gottes Plan für uns ist. Ein Gläubiger weiß, dass nicht er es ist, der alles am Laufen, Hasten und Rotieren hält, sondern dass es Gott ist, der Zeit schenkt, der alles trägt und lenkt. Gerade für Christen hat die Geduld einen hohen Stellenwert, weil unser Glaube von der Hoffnung lebt- und niemand zum Hoffen taugt, der keine Geduld aufbringt.

 

Wir wissen aber, dass denen die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen. Römer 8, 28

 

Gott wirkt nicht nur in besonderen Einzelfällen zu unserem Wohl, sondern lässt alles zu unserem Besten zusammen wirken. Das bedeutet nicht , dass uns nur Gutes widerfährt. Wir werden in unserem Leben in Situationen kommen, die sehr schwer sind. Das was wir als Katastrophe erleben, kann Gott in Segen verwandeln, denn Gott ist dazu fähig sämtliche Umstände so zu wenden, dass sie uns langfristig zum Guten dienen.

Wenn wir die Liebe zu Gott haben und dieser wunderbaren Aussage vertrauen, dann können wir hoffen, Geduld zu bekommen.

Mit Vertrauen und Liebe zu Gott, können wir uns in Geduld üben.

Wir können auch so unseren Glauben bezeugen, indem wir unsern Mitmenschen Geduld zeigen und woher wir diese haben.

 

Liebe Grüße Kerstin Eibach

Andacht 26.04.2020

 

 

Halte was du hast, dass niemand
deine Krone nehme.
(Offbg. 3, 11)

 

Sei getreu bis in den Tod,
dann will ich dir
die Krone des Lebens geben.
(Offbg 2, 10)

 

 

Liebe Geschwister der Ev. Ldk. Gemeinschaft Wiederstein-Zeppenfeld

und alle, die sich mit uns verbunden fühlen,

in den letzten Tagen und Wochen kam mir manchmal der Gedanke, ob wohl in späteren Jahren in einer Quizsendung einmal die Frage gestellt werden wird, welches Wort in den ersten Monaten des Jahres 2020 in den Medien/ bzw. Nachrichten am meisten verwendet wurde? Sollte es diese Quizfrage jemals geben, dann wird das Wort „Corona“ sicherlich „das Rennen“ machen. Wie sehr sind doch die Menschen weltweit zurzeit mit dieser unsichtbaren Gefahr beschäftigt. Und auch unter uns hat die Krankheit selbst oder ihre Begleitumstände Traurigkeit, Leid, Einsamkeit und Verzicht mit sich gebracht in einer Dimension, die wir nicht für möglich gehalten hätten.

Der lat. Begriff „corona“, der in seiner deutschen Übersetzung „Krone“ bedeutet, kommt auch in einigen wegweisenden Versen der Bibel vor (siehe oben). Vielleicht hat jemand von euch einen dieser Verse sogar als Konfirmationsspruch bekommen. Und vielleicht konnte die Verheißung von der „Krone des Lebens“ manchen von euch in schwierigen Zeiten eine lebendige Hoffnung geben.

Ein besonders eindrücklicher Hinweis auf „die Krone des Lebens“, die Gott uns verheißen hat, begegnete Friedrich und mir vor einigen Jahren auf unserem Sommerurlaub in Holland. Wir hatten uns auf den Weg gemacht, um in der niederländischen Stadt Haarlem das Haus der Familie von Corrie ten Boom zu besichtigen. Während der Nazizeit hatte die Familie in ihrem Haus sehr viele Juden versteckt und so deren Leben gerettet. In einer internationalen Runde saßen wir zusammen im Wohnzimmer des Hauses und hörten von den dramatischen Ereignissen, die sich in dem Haus dieser mutigen Familie und darüber hinaus abgespielt hatten. Während der Vater und die jüngere Schwester von Corrie ten Boom das Konzentrationslager nicht überlebten, durfte Corrie als Überlebende nach dem Krieg vielen Menschen mit verwundeten Herzen ein Zeugnis der Gnade und Heilung durch Gottes Liebe bringen.

An der Wand des Wohnzimmers der Familie ten Boom hing ein gesticktes Bild, das Corrie angefertigt hatte. Das Bild war eingerahmt, auf beiden Seiten hinter Glas. Zu sehen war zunächst nur die Rückseite des Stickbildes, die mit ihren verworrenen und verschlungenen Fäden ein heilloses und hässliches Durcheinander darstellten. So verworren wie die Rückseite des Bildes erscheinen auch uns manchmal die Fäden, die das Leben für uns gewebt hat. Wir verstehen die Wege Gottes nicht, die er mit uns geht, und auch nicht immer gewährt er uns die Erhörung unserer Gebete.

Irgendwann am Ende des Vortrags wurde das Bild umgedreht. Und zu sehen war die Vorderseite mit einer Krone, die uns an „die Krone des Lebens“ erinnern sollte.

 

Nach dem Krieg brachte Corrie die Botschaft des gestickten Bildes auf ihren Vortragsreisen zu den Menschen.

Im folgenden Gedicht wird diese Botschaft besonders gut zusammengefasst:

 

Mein Leben ist ein Webstück, von meinem Gott gemacht.

Nicht ich such aus die Farben – ER tut es mit Bedacht.

Oft webt ER ein auch Kummer, und ich vergesse dann,

dass ER das echte Bild sieht – ich nur, was hinten dran.

 

Erst wenn der Webstuhl ruhet, die Schiffchen stille steh´n

und Gott den Stoff umwendet, dann werd‘ ich alles sehn:

Wie Gott die dunklen Fäden, die schmerzlich ich erlebt,

mit silbernen und gold´nen nach Seinem Plan gewebt.

 

--- --- ---

 

Erst im Licht der Ewigkeit, wenn wir einmal vor Gott stehen, wird das unbegreifliche Chaos mancher Lebensfäden entwirrt werden!

 

Als Söhne und Töchter des KÖNIGS JESUS dürfen wir an der Hoffnung festhalten. Denn am Ende siegt immer noch ER! Corona ist NICHT König. Unser König ist Jesus Christus, der auferstandene HERR.

 

Mit dieser Botschaft vom Sieg über Krankheit und Tod wünsche ich Euch, dass Ihr getrost in die neue Woche und in die nächste Zeit gehen könnt.

 

Gottes Segen und herzliche Grüße,

 

Marianne Flender

 

Andacht 19.04. 2020

Selig sind, die nicht sehen
und doch glauben!

 

Johannes 20, 29

 

Thomas war nur kurz außer Haus gewesen und hatte Entscheidendes verpasst. Als er später wieder in ihren Kreis zurückkehrte, sagten die anderen Jünger zu ihm: „Wir haben den Herrn gesehen.“

 

So nüchtern wie dieser Satz im Johannes-Evangelium klingt, ist er nicht über ihre Lippen gekommen. Da bin ich ganz sicher. Voller Begeisterung werden sie ihm von ihrer Begegnung mit Jesus berichtet haben und die Auswirkungen auf die 10 waren wohl kaum zu übersehen. Einen depressiven Haufen hatte er verlassen. Nun kehrte er zurück und sah seine Freunde in Feierlaune und ausgelassener Stimmung beieinander sitzen.

 

Diese Veränderung wird so augenscheinlich gewesen sein, dass er ihnen hätte glauben müssen. Aber nicht nur deshalb. Er kannte sie doch sehr genau. Unterschiedliche Typen. Aber echte Kerle allesamt, mit denen ihn nach drei Jahren gemeinsamen Lebens mehr als eine Freundschaft verband. Gute Gründe also, zu glauben, was sie ihm erzählten. Und doch konnte er nicht glauben!

 

Zu ungewöhnlich und zu unwahrscheinlich war das, was sie berichteten: „Wir haben den Herrn gesehen und die Wunden in seinen Händen und an seiner Seite!“

 

Thomas entgegnete: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meine Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.“

 

Ich will mich mit allen Sinnen davon überzeugen, dass Jesus wirklich auferstanden ist und damit ausschließen, dass man ein falsches Spiel mit mir spielt oder dass mir mein Wunschdenken die Sinne vernebelt. So interpretiere ich den Einwand des Thomas.

 

Die Auferstehungszeugen haben dem, der nicht glauben konnte, keine Vorwürfe gemacht. Und sie waren nicht beleidigt, dass er ihnen nicht glaubte.

 

Sie hatten ja auch keinen Grund dazu. Ihnen war es doch ähnlich gegangen. Auch sie hatten weder den Frauen am Ostermorgen noch den Emmaus-Jüngern glauben können. Erst die persönliche Begegnung mit Jesus hatte sie überzeugt.

 

Und auch Thomas verhält sich vorbildlich. Er verlässt den Jüngerkreis nicht!

 

Acht Tage später. Die Jünger sitzen zusammen. Thomas ist dabei. Die Türen sind noch immer verschlossen. Da betritt Jesus diesen Rückzugsraum mit dem Friedensgruß und geht dann gezielt auf Thomas zu: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“

 

Jesus zeigt damit: Ich nehme dich ernst mit deinen Fragen und Zweifeln. Eine wichtige Erkenntnis, dass Jesus Skeptiker und Zweifler hört und erhört, wenn sie um Glauben ringen.

 

Thomas darf sehen, tasten und dadurch glauben. Dem Skeptiker Thomas verdanken wir die Erkenntnis: Den Auferstandenen konnte man nicht nur sehen und hören sondern auch anfassen. Der Vorwurf, die Jünger hätten ihren Meister nur in Visionen gesehen, ist daher vom Tisch.

 

Johannes formuliert später in seinem 1. Brief (1, 1 – 3): Was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unseren Augen, was wir betrachtet haben und unsere Hände betastet haben…..das verkündigen wir euch.

 

Die Forderung des Thomas hat Jesus erfüllt. Die ersten Jünger sollten wirklich ganz und gar von seiner leiblichen Auferstehung überzeugt sein, damit sie seine Auferstehung authentisch und glaubhaft bezeugen konnten.

 

Aber was soll Jesu Aufforderung: „Sei nicht ungläubig sondern gläubig!“ ?

 

Ist die „Beweisführung“ nicht so eindeutig, dass Thomas gar nicht mehr anders kann, als an die Auferstehung Jesu Christi zu glauben? Er sieht ihn doch leibhaftig vor sich.

 

Glaube im biblischen Sinne ist aber nicht ein „Für-wahr-halten“ irgendwelcher Tatsachen oder eine intellektuelle Zustimmung zu bestimmten Aussagen. Glaube im biblischen Sinne beschreibt eine vertrauensvolle persönliche Beziehung zu Jesus. Und in diesem Sinne wird aus dem Skeptiker und Zweifler Thomas nun ein Gläubiger.

 

Er glaubt nicht nur an die Auferstehung. Er glaubt an den Auferstandenen. Er spricht Jesus nicht mehr als Meister an wie er das gewohnt ist sondern als

 

Mein Herr und mein Gott!“

 

So nimmt diese Geschichte mit dem Skeptiker Thomas ein gutes Ende. Einen leichten Tadel muss er sich aber anhören. Jesus sagt zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

 

Aber nicht nur ein Tadel an die Adresse des Thomas ist aus diesen Worten heraus zu hören sondern vielmehr noch eine Seligpreisung für alle kommenden Generationen, die nicht sehen und doch glauben.

 

Und da sind wir mit eingeschlossen. Niemand von uns hat den Auferstandenen leibhaftig gesehen. Und doch können wir an ihn glauben. Glaube entsteht nicht durch sehen. Auch nicht durch Beweise sondern durch Offenbarung.

 

Gott offenbart sich uns Menschen in seinem Sohn Jesus Christus und durch sein Wort. Das haben schon viele Generationen vor uns erlebt, sonst würden wir heute nicht mehr von Jesus sprechen. Auch wir haben Jesus nicht gesehen und wir werden ihn nicht sehen. Und dennoch können wir an ihn glauben.

 

Unser Glaube gründet sich auf die von vielen Augenzeugen berichtete Tatsache, dass Jesus Christus für uns am Kreuz von Golgatha starb und drei Tage später auferstanden ist und lebt.

 

Bezeugt wird dies im Wort Gottes. In diesem Wort und durch dieses Wort offenbart sich der lebendige Gott. Dieses Wort hat die Kraft, Menschen zu überzeugen und in eine Glaubensbeziehung mit dem auferstandenen Herrn Jesus Christus zu führen.

 

Unser Heil und unser Leben hängen davon ab, dass wir an Jesus Christus glauben als unseren Herrn und als unseren Gott. In diesem Glauben sind wir miteinander verbunden. Und diesen Glauben wollen wir einander stärken.

 

Gott segne euch!

 

Bernd Edelmann

 

 

Andacht Ostersonntag 2020

Begegnung am Ostermorgen

Als der Sabbat vorbei war,

 

kauften Maria aus Magdala,

 

Maria, die Mutter von Jakobus,

 

und Salome duftende Öle.

 

Sie wollten die Totensalbung

 

vornehmen. Ganz früh am ersten

 

Wochentag kamen sie zum Grab.

 

Die Sonne ging gerade auf.

 

Unterwegs fragten sie sich:

 

Wer kann uns den Stein vom

 

Grabeingang wegrollen?“

 

 

 

Markus 16, 1 - 3

 

 

 

Nein, der schreckliche Kreuzestod soll nicht das letzte Bild sein, das sie in ihrem Herzen tragen möchten! Die Frauen haben genau beobachtet, wo ihr HERR begraben worden ist und den festen Entschluss gefasst, dem Leichnam Jesu die letzte Ehre zu geben. Ihrem geliebten Herrn noch einen Dienst erweisen: sie brechen so früh wie möglich auf, um Salben und duftende Öle zu kaufen und so schnell wie es eben geht, zur Grabstätte zu kommen.

 

Die Liebe zu ihrem Herrn ist ihre Antriebskraft, dass sie gar nicht weiter nachdenken. Denn da gibt es ja ein massives Problem, im wahrsten Sinn des Wortes. Wie den Riesenstein wegbekommen?

 

Vor lauter Trauer um ihren HERRN, vor lauter Liebe zu IHM, haben sie darüber nicht nachgedacht. Obwohl ihnen jetzt dieses eigentlich unüberwindbare Hindernis bewusst ist, gehen sie weiter. Ihrer Liebe Ausdruck zu verleihen, lässt sie unbeirrt weitereilen.

 

Und tatsächlich! Der Weg in die Grabhöhle ist frei. Der Stein ist fort. Da ist nichts mehr, was sie aufhalten kann. Und die Frauen gehen hinein in die Grabkammer, aber sie sehen nicht das, was sie erwartet haben. Kein Leichnam, keinen Körper, den sie einbalsamieren können. Stattdessen erblicken sie eine himmlische Gestalt, erhaschen einen Blick in die unsichtbare Wirklichkeit Gottes.

 

Darauf sind sie nicht vorbereitet.

 

Der menschlichen Begrenztheit begegnet die göttliche Kraft der Auferstehung. Was für ein Erschrecken!

 

Doch als sie zum Grab aufblickten, sahen sie, dass der große, schwere Stein schon weggerollt war. Sie gingen in die Grabkammer hinein. Dort sahen sie einen jungen Mann auf der rechten Seite sitzen, der ein weißes Gewand trug. Die Frauen erschraken sehr.“ Markus 16, 4 + 5

 

 

 

Liebevoll, tröstlich übermittelt ihnen der Bote Gottes die menschlich unbegreifliche, ungeheuerliche Nachricht:

 

 

 

Ihr sucht Jesus aus Nazaret, der gekreuzigt worden ist. Gott hat ihn vom Tod auferweckt, er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt hatten.“

 

 

 

Was für ein Privileg wird den Frauen zuteil! Ihre hingebungsvolle Bereitschaft, Jesus zu ehren, bleibt nicht unbeantwortet.

 

Sie dürfen sich als erste selbst davon überzeugen, ja, mit ihren eigenen Sinnen erfassen, Jesus ist nicht im Grab geblieben! Aber nicht nur das, sondern sie erhalten auch das Privileg, die ersten Zeugen und Verkünder dieser Botschaft zu werden:

 

Macht euch auf! Sagt es seinen Jüngern und besonders Petrus: Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.“ Markus 16, 6 + 7

 

 

 

Wie er es euch gesagt hat…“. Denkt nach! Erinnert euch! Ihr wart doch dabei, als Jesus von seinem Leiden, Sterben und von seiner Auferstehung gesprochen hat. Nicht nur einmal, nicht nur zweimal, nein, dreimal!

 

Aber in dieser Ausnahmesituation erscheinen die Verheißungen Jesu wie weggewischt. Die Frauen reagieren mit Angst, Panik und Weglaufen auf die Worte des Boten Gottes. Erst die persönliche Begegnung mit Jesus macht aus Maria aus Magdala eine entschlossene Überbringerin der Siegesbotschaft!

 

 

 

Vielleicht geht es euch in diesem Jahr wie mir, viele eigentlich so bekannte Verse der Osterbotschaft erscheinen in einem anderen Licht, sprechen mich auf andere, neue Weise an.

 

Die Liebe der Frauen, die frühmorgens zum Grab eilen, um Jesus einen letzten Dienst zu erweisen.

 

Wovon ist meine Beziehung zu Jesus geprägt? Ist die Liebe zu IHM das Fundament? Oder vielleicht doch die Gewohnheit, die Eitelkeit, das Pflichtgefühl?

 

Diese Verse machen mir Mut: Liebe bleibt nie unbeantwortet.

 

 

 

Bin ich bereit, meine menschlichen Begrenzungen von Jesus aufbrechen zu lassen? Etwas zu wagen, was vielleicht nicht der Norm entspricht,

 

der Macht der Gewohnheit?

 

Gerade jetzt, in dieser herausfordernden Zeit, mich von IHM gebrauchen zu lassen und „die Zeit auszukaufen“?

 

Wie kann ich in Tat und Wort ein glaubwürdiger Zeuge sein?

 

 

 

Wie er es euch gesagt hat…“. Tragen mich jetzt Gottes Verheißungen? Erinnere ich mich und andere an seine Zusagen? Sein Wort ist voll davon…

 

 

 

Ist die Osterbotschaft in mir gegenwärtig? Jesus lebt! Im Jetzt und Hier!

 

 

 

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

 

 

 

Stephanie Schöps

 

Andacht Karfreitag 2020

So kamen sie zu der Stelle, die „Schädel“ genannt wird.
Dort kreuzigten sie Jesus und die beiden Verbrecher – den einen rechts, den anderen links von ihm.
Das Volk stand dabei und schaute zu.

Aus Lukas 23, 33+35

 

So knapp und fast beiläufig wird die grausame Hinrichtung durch die römischen Legionäre beschrieben.

 

 

 

Sie kreuzigten ihn.

 

 

 

Gab es keinen Aufschrei, keine Reaktion aus der Menschenmenge?

 

 

 

Das Volk stand dabei und sah zu.

 

 

 

Keine Reaktion.

 

 

 

Gleichgültigkeit, vielleicht etwas Hohn und Häme, vielleicht ein kurzes Abwenden angesichts des grausamen Geschehens.

 

 

 

In all dem furchtbaren, grausamen, lieblosen, mitleidlosen Geschehen erfüllt sich Gottes unbegreiflicher Plan der Gnade und Liebe zu uns.

 

 

 

Zu mir!

 

 

 

Egal, bei welcher Gruppe unter dem Kreuz ich mich wiederfinde, das, was dort passiert, gilt mir!

 

Es geschieht für mich!

 

 

 

Ich darf mich dieser unbegreiflichen Liebe anvertrauen, ich darf mich in Jesu Arme werfen und ihm „Danke!“ sagen, für den Preis, den er bezahlt hat, um mich freizukaufen.

 

 

 

In diesem Bewußstein laßt uns weitergehen, in die Ostertage, in die kommende Woche...

 

 

 

Mit Jesu Wort an seine Freunde aus Johannes 15,13 wünsche ich euch gesegnete Ostertage:

 

 

 

Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für seine Freunde einsetzt.“

 

 

 

 

 

Stephan Edelmann

 

Menschen unter dem Kreuz

 

 

 

 

Da stehen sie –

 

unter dem Kreuz:

 

 

 

die Selbstgerechten,

 

siegesgewiss

 

die Arme vor der Brust

 

verschränkt.

 

Ihr Ziel haben sie erreicht –

 

Und das,

 

ohne sich dabei

 

die Hände zu beschmutzen.

 

Schadenfroh lächelnd

 

spotten sie IHM:

 

Anderen hat ER geholfen

 

und sich selbst

 

hilft er nicht?

 

 

 

Da stehen sie –

 

unter dem Kreuz:

 

 

 

Gezwungenermaßen sozusagen.

 

Sie tun nur ihren Job:

 

Drecksarbeit.

 

Das Denken haben sie dabei

 

Längst abgestellt.

 

Und der an dem Kreuz?

 

"Ein Jude weniger",

 

sagen sie

 

und spielen

 

um das, was SEIN ist.

 

Nur einer

 

blickt auf,

 

sieht IHN an

 

und erkennt

 

SEIN wahres Gesicht.

 

Da stehen sie –

 

unter dem Kreuz:

 

 

 

Die Augen tränennass,

 

klagend,

 

gebeugt.

 

All ihre Hoffnung,

 

all ihre Liebe,

 

all ihr Glaube

 

ist dahin –

 

wehrlos an das Kreuz geschlagen.

 

Dabei hatte ER

 

doch ihr Klagen

 

einst in Jubel gekehrt.

 

 

 

Da stehen sie –

 

unter dem Kreuz:

 

 

 

Er

 

steht ganz darunter.

 

Dabei

 

hatte er gar nichts damit zu tun gehabt,

 

wollte nur seinen Feierabend genießen.

 

Aber dann war diese Elendsgestalt

 

zusammengebrochen;

 

konnte die auferlegte Last

 

nicht tragen

 

Da wurde er verdonnert,

 

zu Kreuze zu kriechen,

 

die Last dem Elenden

 

abzunehmen,

 

wissend,

 

am Ziel

 

würde dieser

 

sie wieder

 

ganz allein

 

tragen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Da stehen sie –

 

unter dem Kreuz:

 

 

 

Sohn

 

hat sie IHN genannt,

 

hat IHN

 

umsorgt,

 

genährt,

 

getröstet

 

und

 

auf IHN gebaut,

 

obwohl ER ihr oft

 

so fremd war –

 

nicht von dieser Welt, eben.

 

und nun

 

klammert sie sich

 

an das Fluchholz,

 

um bei IHM zu sein

 

auf dem letzten Weg.

 

 

 

Da stehen sie –

 

unter dem Kreuz:

 

 

 

Fernab

 

von den anderen,

 

damit man sie

 

nur nicht

 

mit IHM in Verbindung bringt.

 

Aller Mut

 

ist von ihnen gewichen.

 

Angst hat

 

von ihnen Besitz ergriffen

 

und sie machtlos gemacht.

 

Nur einer

 

wagt sich

 

an die Seite der Mutter

 

und leidet mit ihr

 

um den,

 

der ihm alles ist.

 

 

 

 

 

 

Da stehen sie –

 

unter dem Kreuz:

 

 

 

Irgendwo vielleicht,

 

heimlich, verborgen,

 

blickt er IHN an,

 

der dort gebrochen hängt.

 

"Eigentlich

 

ist das mein Platz;

 

mich hatten sie verurteilt

 

und sich dann doch

 

für IHN entschieden.

 

Sterben sollte er

 

und ich –

 

frei sein.

 

 

 

Da stehen sie –

 

unter dem Kreuz:

 

 

 

Schaulustige.

 

Sie stimmen ein

 

in Spott

 

oder Klage,

 

laufen der Masse hinterher

 

auf der Suche

 

nach dem

 

Kick.

 

 

 

Da stehen sie –

 

unter dem Kreuz:

 

 

 

sehen IHN

 

und erkennen IHN nicht.

 

 

 

ER

 

blickt sie an

 

und schreit:

 

"Vergib ihnen,

 

Vater!"

 

 

 

- afo - alle Rechte bei Annette Ohrndorf, Freudenberg

 


Andacht 04.04.2020

"Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,

mein Auge von den Tränen,

meinen Fuß vom Gleiten.

Ich werde wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen."

Psalm 116, 8+9

 

Wie können wir für Nöte und Ängste, die uns bewegen, Worte finden?

 

In dieser Woche lesen wir von den letzten Erlebnissen der Jünger Jesu mit ihrem Herrn. Nach dem gemeinsamen Mahl brechen sie auf zum Ölberg und singen dabei, wie es die Tradition vorgibt, den Lobgesang.
Der Lobgesang besteht aus den Psalmen 114 bis 118.

 

 

In Psalm 116 heißt es: „Stricke, die den Tod bedeuten, haben mich umschlungen. Ängste, die im Totenreich herrschen, haben mich gepackt.

 

In Not und Kummer stecke ich fest. Den Namen des Herrn will ich anrufen. Ach, Herr, rette doch mein Leben!“

 

Wie könnte man es besser ausdrücken?! Wir stecken fest in unseren Ängsten, in unseren Sorgen, aber wir dürfen sie herausschreien und vor Gott bringen. In der festen Gewissheit zu sterben, SEIN Leben hinzugeben, hat Jesus diesen Psalm gesungen. ER weiß um die tiefsten Tiefen, er fühlt mit uns. Weil Jesus diesen Weg für uns gegangen ist, dürfen wir Menschen voller Hoffnung sein. Ja, mehr noch: Jesus, der dem Tod die Macht genommen hat, macht uns durch seinen Heiligen Geist gewiss, dass wir „vor dem Herrn weiterleben dürfen – im Land der Lebenden“.

 

Im Vertrauen auf diese Zusagen wünsche ich uns allen ein ganz bewusstes Erleben der vor uns liegenden Passionswoche.

 

 

Stephanie Schöps

Andacht 28.03.2020

Corona im Blick

 

Ich habe die Gefahr unterschätzt, die von dem Virus im fernen China ausgeht. Inzwischen ist klar, dass es sich um eine gefährliche Epidemie handelt, die auch bei uns angekommen ist und die sich sehr schnell ausbreitet. In den Nachrichten sehe ich bedrückende Bilder aus Italien, die mich tief erschüttern.

 

Corona müssen wir ernst nehmen. Und die Maßnahmen der Bundesregierung sind von jedem Einzelnen zu befolgen. Das hat unser aller Leben nachhaltig verändert und führt dazu, dass in der Frankfurter Straße zurzeit keine Veranstaltungen mehr stattfinden. Wir müssen andere Wege suchen, um uns nicht aus dem Auge zu verlieren. So versuchen wir vom Gemeinschaftsvorstand, euch immer wieder mal per Brief zu kontaktieren.

 

Wer möchte, kann sich mit ein paar Zeilen an die übrigen Mitglieder der Gemeinschaft wenden. Das möchte ich hiermit auch tun.

 

Zurzeit ist Corona das beherrschende Thema in den Medien und in den täglichen Gesprächen, denn bald schon könnten auch in unserem näheren Umfeld die ersten Infizierten entdeckt werden.

 

Jeden Tag lese ich Zeitung und sehe mir die Nachrichten an. So bringe ich mich auf den neusten Stand. Das finde ich auch durchaus angemessen.

 

Ich werde Corona im Auge behalten.

 

Jesus im Blick behalten


Dabei will ich aber Jesus Christus nicht aus den Augen verlieren.

 

Am Silvesterabend 2019 sind wir mit diesem Vers ins neue Jahr gestartet:

 

Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut sinken lasst.

 

Behaltet Jesus Christus im Auge! Sagt der Schreiber des Hebräerbriefes. Ein überaus wichtiger Ratschlag – auch in der Corona-Krise.

 

Wenn ich auf Jesus sehe, dann gewinne ich neuen Mut und neue Zuversicht. Weil er mich mit Gott versöhnt hat, darf ich in der Gegenwart Gottes leben und mit der Gegenwart Gottes in meinem Leben rechnen.

 

Das ist kein wirksamer Schutz vor Corona. Es kann durchaus sein, dass auch ich mit dem Virus infiziert oder auf andere Weise krank werde.

 

Wir Christen haben da keinen Bonus.

 

Aber wir sind in Gottes Hand und dürfen darauf vertrauen, dass er uns hält und stützt.

 

Interessant ist ja, dass der Schreiber des Hebräerbriefes uns Jesus nicht als Wundertäter und Krankenheiler vor Augen führt sondern als den Gekreuzigten.

 

Dieses Bild des Gekreuzigten wird uns besonders in der Passionszeit vor Augen geführt.

 

Jesus erniedrigte sich selbst, ließ sich ans Kreuz nageln, litt Schande, Hohn und Spott. Und das alles aus Liebe zu dir und zu mir. Er vergoss sein Blut, um uns mit Gott zu versöhnen und uns ein Leben in der Nähe Gottes zu ermöglichen, dass mit dem Tod nicht endet, sondern sich einmal vollenden wird in seinem Reich.

 

Der Preis, den Jesus gezahlt hat, um uns für Gott zu gewinnen, ist so hoch, dass wir mit dem Liederdichter sagen können:

 

Stark ist meines Jesu Hand, und er wird mich ewig fassen, hat zu viel an mich gewandt, um mich wieder loszulassen. Mein Erbarmer lässt mich nicht; das ist meine Zuversicht.

 

Das Bild des leidenden Gottessohnes stärkt unsere Gewissheit, dass Gott in allen Lebenslagen zu uns steht.

 

Und dieses Bild bewahrt uns vor Missverständnissen. Offensichtlich hatten die Empfänger des Hebräerbriefes ein Problem mit Ihrer momentanen Situation. Sie fragten sich, ob mit ihrem Glauben etwas nicht stimmt, weil man sie verspottete, verfolgte und ihr Leben bedrohte.

 

Der Schreiber des Hebräerbriefes lenkt den Blick seiner Leser auf den Gekreuzigten.

 

Jesus hatte nicht nur Freude im Leben. Von gottlosen Menschen wurde er angepöbelt, ausgepeitscht und aufs Kreuz gelegt. Er hat erheblichen Widerspruch und Widerstand erfahren, weil er den Weg ging, den sein Vater für ihn bestimmt hat.

 

Deshalb werdet nicht müde und mutlos, wenn es euch auch so geht und ihr leiden müsst. Viele Christen weltweit werden wegen ihres Glaubens verfolgt. Manche haben wegen ihres Glaubens einen schweren Stand in ihrer Familie, am Arbeitsplatz oder in der Schule.

 

Nicht nur Corona sorgt für Leid. Viele von euch leiden zurzeit an anderen Krankheiten und konnten die Gemeinschaftsstunde nicht mehr besuchen, als wir uns noch versammeln durften.

 

Liebe Geschwister, die ihr im Moment einiges zu tragen und zu verkraften habt:

 

Behaltet Jesus Christus im Blick. Er hat am eigenen Leib erfahren, was Leid bedeutet. Wendet euch an ihn. Haltet euch an ihm fest und vertraut darauf, dass ihr durch den Glauben an ihn Kinder Gottes seid und bleibt.

 

Niemand und nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus sichtbar wird.

 

Ich wünsche euch allen viel Kraft, immer wieder neuen Mut und die Gewissheit,
dass der Gekreuzigte euch zur Seite steht.



Bernd Edelmann

 

Andacht 21.03.2020

Liebe Geschwister,

 auf diesem Wege möchten wir mit euch in der nächsten Zeit in Verbindung bleiben. Verschiedene Gedanken und Predigten werden so in euren Briefkästen landen, bis wir hoffentlich bald wieder in persönlichen Kontakt treten können.

 Habt ihr auch schon mal einen Ohrwurm- ein Lied das einem den ganzen Tag begleitet, man summt es vor sich hin oder singt es laut. Ich möchte euch gerne solch einen Ohrwurm geben.

 Es geht ohne Gott
in die Dunkelheit,
aber mit ihm gehen wir ins Licht.

 Sind wir ohne Gott,
macht die Angst sich breit,
aber mit ihm fürchten wir uns nicht.

 Eine sehr starke Aussage von Manfred Siebald und sehr aktuell.

 Besonders der Refrain ist wie eine warme Decke, in die man sich hüllt, wenn es einem schlecht geht.

 Auch die Bibel gibt uns Halt, zum Beispiel Psalm 23 und vieles mehr. Ich habe mal in einem Buch, von einer Frau im KZ gelesen, die mit auswendig gelernten Bibelversen einen tiefen Frieden verspürte. Sie konnte so die Schrecken, die sie erleiden musste, ausblenden. Viele Ältere von euch haben noch einiges auswendig gelernt. Vielleicht gibt uns die derzeitige Situation noch mal Gelegenheit dazu.

 Dann können wir unser Gedankenkarussell ersetzen und wenn die Angst , sich oder einen geliebten Menschen mit dem Virus anzustecken, zu groß wird, ist es sicher hilfreich, den Kopf voller Bibelverse und Ohrwürmer zu haben. Versucht euch mal vorzustellen, diese oder andere Krisen ohne Gott zu bewältigen, ohne die Zuversicht von Gottes Liebe. GOTT SEI DANK ist das für mich unvorstellbar! Lasst uns füreinander beten, dass es für uns alle unvorstellbar ist.

 Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“
(Markus 9, 23)

 Um alles, was ihr bittet im Gebet, so ihr glaubet, werdet ihr‘s empfangen“
(Matt.21,22)

 Lasst uns beten für die Unentschlossenen, dass sie zu Gott finden, seine Liebe spüren und den Halt den Gottes Wort gibt, erkennen.

 Lasst uns beten, für die Menschen die in dieser Krise für uns da sind, in Krankenhäusern, in Supermärkten, für die LKW-Fahrer, die tagelang an den Grenzen ausharren um uns zu versorgen. Gib den Menschen deinen heiligen Geist, die für uns Entscheidungen treffen müssen.

 Und bis wir uns Wiedersehen halte Gott dich fest in seiner Hand ( Achtung, nächster Ohrwurm...)

 

Liebe Grüße
Kerstin Eibach